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Langenstein - Bhf. Börnecke - Brockenstedter Mühle - Langenstein (Zum Diptam vom Hoppelberg)

Autor: Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 05.05.2012


Langenstein - Bhf. Börnecke - Brockenstedter Mühle - Langenstein

Zum Diptam vom Hoppelberg



Wandern


Dauer Jahreszeit Straße
4 - 6 Std. 14 km März - Okt. 0 %
Piste/Feldweg Wanderweg/pfad
60 % 30 %


Schwierigkeit


Höhendifferenz


Frequentierung


Unterkunft


Sonstiges
leicht niedrig niedrig
privat Für Kinder geeignet


» Legende

Am nördlichen Harzrand,  zwischen Halberstadt und Blankenburg, wächst eine der seltensten und außergewöhnlichsten Pflanzen Deutschlands. Hier auf dem Hoppelberg, der mit 308 m dritthöchsten Erhebung des ostfälischen Hügellandes, kommt der streng geschützte Diptam (Dictamnus albus), auch als brennender Busch bezeichnet, vor. Eine Wanderung über einen kleinen klippen-durchsetzten Höhenzug und sein Umland mit vielen botanischen Raritäten und großartigen Fernsichten. 


Zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Regensteinblick
  • Diptam (Dictamnus albus)
  • Wohnhöhle Altenburg
  • Blick über Langenstein
  • Das Goldbachtal
  • Reste der Altenburg
  • Siemensstein
  • Blick zum Harz
  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
  • Der Goldbach
  • Streuobstwiese
  • Brockenstedter Mühlteich

 

Wanderkarte


Langenstein-Bhf.Boernecke-Brockenstedter-Muehle-Langenstein-map-ads-de__1.pdf  

Hinauf zur Alten Burg auf dem Langenstein


Wer sich von Westen her über die neue B 6  der Stadt Blankenburg/Harz nähert, erblickt links einen merkwürdig spitzen Berg, der die anderen Hügel überragt. Sehr unnatürlich sieht er aus, beinah wie eine Halde, der Hoppelberg. Nähert man sich ihm allerdings aus anderen Himmelrichtungen erscheint er als langgestreckter Bergrücken, der Sargberg wie er mit anderem Namen heißt. Er ist jedoch schon ein "Alter Geselle".

Als sich während der Unterkreide der Harz noch einmal anhob, und seine mesozoischen Schichten auf die  mesozoischen Schichten des Harzvorlandes schob (Harznordrandverwerfung) und sich diese aufstellten und teilweise sogar überkippten, entstand diese Hügellandschaft. Durch herauswittern der Silikat gehärteten jurasischen Sandsteine  bildeten sich auf den Kämmen dieser Hügel zahlreiche Klippen. Der bekannteste Klippenzug ist wohl die Teufelsmauer. Eine Hebung die noch bis heute andauert. 

Und so ist auch der Kamm des Hoppelberges mit zahlreichen Klippen bedeckt. Die größten und markantesten sind der sich am westlichen Ende befindliche und mit den Resten einer Burg gekrönte Langenstein, der den Ort seinen Namen gab und die Hoppelnase.

Wir starten am Ölmühlenteich, einem Baum-umstandenen Gewässer am Rande Langensteins, folgen unweit der Straßenkurve der Ausschilderung "Höhlenwohnung - Alte Burg" über die Treppenstufen aufwärts bis zu der alten Burgzufahrt. Tief haben sich im Laufe der Jahrhunderte die Spuren der Räder im Sandstein des Hohlweges eingegraben. Rechter  Hand immer wieder Höhlen die aus dem Sandstein heraus gemeißelt wurden.

Im 12. Jahrhundert (1137? oder 1154?) wurde diese Burg als halberstädtische Grenzfestung errichtet und  wie der benachbarte Regenstein aus dem Felsen heraus gehauen. Während des dreißigjährigen Krieges (1644) dann von den Schweden erobert und zerstört. Die Steine wurden von der Bevölkerung der Umgebung abgetragen, so das nur die Höhlen und Burggraben erhalten blieben. Viele Felsen zeigen auch noch Bearbeitungsspuren, wie z.B.eingemeißele Balkenlager. Die Höhlen nutzte man später als Ställe oder Wohnungen. Eine diese Höhlenwohnungen ist nach der Wende wieder hergerichtet worden.

Es herrscht ein Wegenutzungsgebot und ein Verbot die Höhlen aus Sicherheitsgründen zu betreten. Allerdings wird nicht kontrolliert. Das Verbot dürfte auch mehr symbolischen Charakter haben, um sich der Verkehrsicherheitspflichten zu entziehen. Sonst würde nämlich der Eigentümer (die sachsen-anhaltischen Landesforsten) für alle Schäden haften, die sich aus der Benutzung des Weges ergeben.

Rechts dann die wieder hergerichtete Höhlenwohnung, die noch bis 1916 bewohnt war.  Ihr letzter Bewohner, ein älterer Herr namens Karl Rinnert, mußte die Wohnung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und in das Dorf umziehen. Links gegenüber, etwas erhöht, ein Rastplatz mit einer Bank, der eine weite Sicht über Langenstein und seinem Schloss bis zu dem am Horizont sich erstreckenden Höhenzug des Huy ermöglicht.

Der gesamte Bereich der Burganlage ist über und über mit verwildertem Flieder bewachsen und so ist eine Wanderung hier zu dieser Jahreszeit ein "schweben durch eine Wolke von Düften". Zumal hier auch noch der schwere süße Duft des Rapses und der würzig-harzige  Kiefernduft hinzu kommen. Dazu eine Orgie von Farben; die unterschiedlichen Grüntöne, das leuchten der goldgelben Rapsfelder, das Blau der fernen Bergrücken und des Himmels. Es ist ein wahrer Rausch der Sinne.

Durch die Klippen zum Diptam


Nach wenigen Metern erreichen wir das Plateau der Vorburg. Die hier anstehenden Felsen weisen z.T. deutliche Bearbeitungsspuren auf. Wir überqueren auf schmalem Pfad den Spitzgraben, der die Vorburg von der Hauptburg trennte. Rechts von uns einige der wenigen noch vorhandenen Mauerreste. Ein Blick über die Mauer zeigt unter uns den aus dem Felsen geschlagenen Burggraben. Nun geht es noch einmal kurz steil aufwärts und wir stehen auf dem freien Gipfel des Langensteins. Weit geht von hier der Blick über Langenstein und dem nördlichen Harzvorland hinüber bis zum Harz. Unter uns das Goldbachtal.

Ich erwähnte auch schon in einer anderen Tourenbeschreibung (Von Halberstadt nach Blankenburg) die Besonderheiten dieser Gegend. Wir folgem dem Pfad im Nordosten entlang des Geländers durch die Klippen abwärts. Am Ende einer Eisentreppe der Ausschilderung "Hoppelberg-Kirschwiese-Siemensstein" nach links folgen. Durch Klippen und Kiefern geht es immer weiter nach Osten. Von nun an immer versuchen auf bezw. knapp unterhalb des Kammes zu bleiben. 

Unser Pfad schlängelt sich über Klippen und durch Kiefernwälder dahin. Nach erreichen eines Querweges nach rechts und gleich wieder links. Immer der Ausschilderung "Hoppelberg" nach. Der Wald öffnet sich rechter Hand und wird von einer alten Kirschplantage - der Kirschwiese -  abgelöst . Der Blick geht über die Wiese und über die goldgelben Rapsäcker des Vorharzes, zu den in der Ferne grüßenden Bergen des Harzes. Links von uns der monolithische Sandsteinblock des Siemensteines.

An der Weggabelung, am Ende der Kirschwiese, eine Sitzbank die zu einem kurzen innehalten einlädt. Eine herrliche Aussicht ist das hier. Weiter geht es nach rechts und dann in einem weiten Linksbogen wieder in den Wald hinein. Mächtige alte Schwarzkiefern säumen unseren Weg. Erkennbar an den silbernen rissigen Stämmen, ihren großen dunklen Nadeln und vor allem an den großen Zapfen die zu unseren Füßen liegen und sich knisternd in der warmen Frühlingssonne öffnen.

An der nächsten Wegkreuzung den bergauf führenden Weg nehmen. Links von uns ein tief eingeschnittener Hohlweg. Die anstehende Feldsteinpflasterung läßt vermuten, das es sich um eine ehemalige Straße handelt. Unser Weg führt weiter durch einen Kiefernwald. Unterhalb von uns Laubwald und oberhalb immer wieder kleinere Klippen, so erreichen wir die Kammhöhe. Der Berg vor uns, flankiert von Taleinschnitten ist der eigentliche Hoppelberg. Geradeaus weist ein Wegweiser zur Hoppelnase. Wir gehen jedoch rechts allmählich ansteigend um den Berg herum.

Auf dem Gipfel links von uns sind die Klippen des Hoppelberges zu sehen. Wer möchte, nimmt den kurzen Anstieg über einen schmalen Pfad aufwärts zu den Klippen. Der Gebäuderest oben gehörte zu einer Abhörstation des "VEB Horch, Guck und Greif". Am Froschstein vorbei, beim übernächsten Querweg links wieder ein Taleinschnitt, hier den Weg nach rechts abwärts nehmen und (den schmalen Fußpfad geradeaus nicht beachten) auf dem nächsten Weg wieder links und weiter bergab. Rechts ist eine Lichtung zu sehen auf die der der Diptam wächst.

Diptam (Dictamnus albus) ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Rautengewächse (Rutaceae) und mit der Schutzstufe 3 streng geschützt. Jede Beschädigung oder Entnahme von Pflanzenteilen kann mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 € oder mit zwei Jahren Haft geahndet werden. Ganz abgesehen davon, das wir uns hier in einem Naturschutzgebiet befinden und da gilt sowieso ein absolutes Wegegebot. Die Naturschutzbehörden des Landes Sachsen-Anhalt verstehen da überhaupt keinen Spaß und das zu recht. Denn das ist keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat.
 
Die Blüten, vor allem aber die Fruchtstände, sondern ein nach Vanille-Zitronen duftendes ätherisches Öl ab, und das in solchen Mengen, das es zu einer Selbstentzündung kommen kann. An warmen windstillen Sommertagen, können  in den Abendstunden manchmal kleine blaue Flämmchen über den Fruchtständen beobachtet werden. Hält man eine Flamme an den Blüten oder Fruchtständen, so gibt es eine Verpuffung.

Der Diptam kommt in Mitteleuropa nur selten und im allgemeinen nur vereinzelt und zerstreut vor. Solch flächige Vorkommen wie hier sind schon fast an einer Hand ab zu zählen. Also lassen Sie bitte die Pflanzen in Ruhe, zumal der Diptam auch noch phototoxisch ist und das zusammen treffen von Pflanzensaft und Haut bei Lichteinwirkung zu schweren Entzündungen bis hin zu Nekrosen führen kann. Ähnlich dem Bärenklau. 
 

Zurück über Heers und Brockenstedter Mühle 

 
Am nächsten Querweg wieder nach rechts bis zum Waldrand und an diesem bis zum nächsten Weg, der als Radwanderweg gekennzeichnet ist, nach Süden. Rechts und links von uns Hänge mit Trockenrasen und vereinzelten Weißdorn- und Schlehenbüschen. Hier wächst auch noch das seltene und geschützte Adonisröschen. Ein weiter Ausblick hinüber zu Regenstein und Harz eröffnet sich uns.

Weiter durch die Felder bergab, den von Börnecke nach Langenstein führenden Radwanderweg überschreiten, immer der Ausschilderung Bahnhof Börnecke nach. Bei gemächlichem Anstieg links an einem kleinen bewaldeten Hügel vorbei bis zum Gr. Rönneberg. Hier weiter am Waldrand nach Westen, am Bahnhof über die Gleise der Bahnstrecke Halberstadt - Blankenburg und danach gleich wieder rechts.

Wir gehen durch die Felder leicht ansteigend bis zum Waldrand des Heers, ein sandiges Kiefernwaldgebiet am Fuße des Regensteins und hier dem Weg nach halb links in den Wald hinein. Das gehen durch den knöcheltiefen Sand gestaltet sich mühsam und anstrengend. Über eine Wegkreuzung weiter leicht bergauf. Nach dem passieren zweier Querwege  und sanftem bergab rechts ein Wegweiser der zum Pastorenstein weist. Am 31. Oktober 1821 ist hier der Börnecker Pastor Michaelis beim Rückweg von Heimburg erfroren. Weiter bis zum Waldrand.

Am Waldrand ein wunderschöner Blick hinüber zum Harz, sowie zur Heimburg und dem Thierberg. Wir wenden uns nach Norden dem Wegweiser  "Derenburg - Brockenstedter Mühle - Langenstein" längs desWaldrandes nach. Nach dem passieren zweier abzweigender Waldwege, an der nächsten Weggabelung, wieder nach rechts in den Wald hinein und  aufwärts bis zu einem Brunnen der örtlichen Wasserversorgung. Ausgeschildert ist: "Brockenstedter Mühle - Langenstein".  Hier wendet sich der Weg nach links Richtung Norden.

Wenige Meter weiter rechts ein Kriegsgrab. Erschütternd die Lebensdaten des gefallenen jungen Mannes. Geboren 1926 und gefallen 21.April 1945. Wenige Tage vor Kriegsende. Fast noch ein Kind, noch keine 19 Jahre alt und sinnlos verheizt. Zu diesem Zeitraum fanden im Harz, der zur "Festung" erklärt wurde, noch einmal größere Kampfhandlungen statt.

Beim Austritt aus dem Wald links von uns der Goldbach, der in einer Erosionsrinne durch Auwald und Sumpf mäandert. Rechts Felder und die Aussicht hinüber zum Hoppelberg. Eine liebliche Landschaft ist das hier; Hoppelberg, Regenstein, Rönneberg und weitere Hügel. Dazwischen fruchtbare Felder auf denen der Raps blüht und die Wege gesäumt von blühenden Obstbäumen.

Ungefähr 500 m weiter der Goldbach aufgestaut zum baum-umsäumten Brockenstedter Mühlenteich. Einst gab es hier bei der Wüstung Brockenstedt eine Mühle, die noch bis 1938 in Betrieb war. 1941 zog  der letzte Müllermeister nach Börnecke und die Mühle verfiel. 1970 wurde sie dann abgerissen. Eine Informationstafel bei einer Schutzhütte informiert über das Schicksal von Ort und Mühle.

Noch einmal ein kurzes Stück aufwärts und am Querweg nach links, hinunter zum Goldbach, selbigen auf einer Brücke überschreiten und gleich wieder rechts. Jetzt immer unter schattigen Bäumen dem Goldbach nach Norden folgen. Links Bruch und Wiesen, rechts die Hänge mit den Resten früherer Streuobstwiesen, so wandern wir dahin bis zur Bahnstrecke Halberstadt - Blankenburg. Unter dieser parallel  zum Goldbach hindurch, noch einmal über den Goldbach und vor dem Hoppelberg nach links. Noch ca. 500 m zwischen Berg und Bach nach Nordwesten und wir sind wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt.

 

Nützliche hinweise und Informationen

Anreise:

Mit dem Pkw
B 6n bis Ausfahrt Halberstadt/Heimburg - dann B 81 Richtung Halberstadt bis Abzw. Langenstein

Mit öffentl. Verkehrsmitteln:
Fahrplanauskunft hier

Kartenmaterial

Landesamt Landesvermessung und Geoinformationen Sachsen-Anhalt L4132 Halberstadt
 
Einkehr, Verpflegung und Unterkunft

Landhotel Schäferhof  Quedlinburgerstraße 28 a 38895 Halberstadt/OT Langenstein Täglich ab 11:00h geöffnet
 

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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig

letzte Änderung: 21.12.2015
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