Wandervogel Uwes Homepage
Touren & Tips zum Wandern und Radwandern
Im Huy ("von Mönchen und Räubern")

 Autor: Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 19.06.2011
 

Im Huy

"Von Mönchen und Räubern"

 
Wandern
 
 
Dauer Jahreszeit  Straße  
Piste/Feldweg  Wanderpfad- weg
4-5 Std. 15 km  März – Okt.       5%  
      45%           40%

Schwierigkeit 

Höhendifferenz 

Frequentierung

Unterkunft

Sonstiges
   Leicht         niederig      mäßig
   Privat für Kinder geignet


»Legende
 
Im Norden von Halberstadt erhebt sich, als eine der Nordharzer Hügelketten, der Höhenzug des Huy (sprich „Hüh“), der mit dem Buchenberg eine Höhe von 315 m erreicht und damit der zweithöchste Höhenzug nördlich des Harzes ist. Fast ausschließlich von Laubwald bedeckt – wenn man von einigen Einsprengsel von Fichten absieht – birgt er eine Fülle von botanischen Kostbarkeiten. Auch geologisch hat er diverse Raritäten zu bieten, wie die einzigen Gletschertöpfe Mitteleuropas die sich noch an ihrem authentischen Standort befinden (außerhalb des Alpenraumes) oder die fossilen Blaualgenkolonien der Stromatolithen. Und über allem ragt das romanische Benedektinerkloster Huysburg empor.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Blick von der Sargstedter Warte
  • Schildfarn (Polystichum lonchitis)
  • Akelei (Aquilegia vulgaris) und vielblütiger Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum)
  • Türkenbundlilie (Lilium martagonii)
  • Gelber Eisenhut (Aconitum lycoctonum)
  • Rundblätteriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia)
  • Gletschertopf
  • Stromatolithen

 Wanderkarte

 

 

von der Huysburg auf dem südlichen Kammweg zum Siebertplatz

 
„Warum in der Ferne schweifen – sieh, das Gute liegt so nah“. Wer kennt es nicht dieses Sprichwort, und wie bei allen Sprichwörtern hat auch dieses einen wahren Kern. Oft findet der Wanderfreund, so zu sagen vor der eigenen Haustür, Dinge die echte Seltenheiten darstellen. So auch hier im Huy.
 
Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Parkplatz vor dem Kloster Huysburg und wenden uns auf dem Südlichen Kammweg nach Westen. Nach ca. 100 m dann links ein Wall mit vorgelagertem Graben. Die daneben befindliche Informationstafel weist darauf hin, das dieser Wall der Rest einer fränkischen Burganlage aus dem 8. Jahrhundert ist. Diese Burg wurde später dann den Benedektinern übergeben, die hier ein Kloster errichteten.
 
Wie bei vielen antiklinalen Gebirgen des Nordharzer Vorlandes, besteht auch der südliche, der dem Harz vorgelagerte Gebirgskamm aus Muschelkalk, während die nachfolgenden Kämme aus Buntsandsteinen  bestehen. Kalkstein ist nicht in der Lage Wasser zu speichern und so sind diese Gebirgskämme, auch bedingt durch ihre Südlage, warm und trocken. Hier wachsen unter anderem Akelei (Aquilegia vulgaris), Türkenbundlilie (Lilium martagonii), rundblätteriges Wintergrün (Pyrola rotundifolia), Schildfarn (Polystichum lonchitis), Seidelbast (Daphne mezerum) sowie verschieden Orchideen wie z.B. die blattlose und schmarotzende Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis).
 
Nach ca. 3 km in westlicher Richtung weiter auf dem Kammweg wird die Sargstedter Warte erreicht. Die Sargstedter Warte ist die Mittlere von drei  Warten, die 1454 zum Schutze Halberstadts vor räuberischen Einfällen errichtet wurden. Sie ist die einzige der zwei intakten Warten die öffentlich zugänglich ist und seit der Renovierung wieder als Aussichtsturm genutzt wird. Weit geht der Blick über Halberstadt und den Zwie- und Thekenbergen sowie dem Langenstein und Hoppelberg und das nordharzer Vorland hinüber zum Harz, über dem der Brocken mit seinem markanten Gipfel weit hinausragt. Tisch und Bänke laden zu einer kurzen Rast ein. Die sich unterhalb der Warte am Waldrand befindliche Gaststätte ist z.Z. leider nicht bewirtschaftet.
 
Nachdem wir die kurze Rast und den Ausblick genossen haben, wandern wir weiter. Schilder mit der Eule zeigen an , das wir uns in einem Naturschutzgebiet befinden. Der Wald rechts und links des Weges ist Totalreservat und jeglicher forstlichen Nutzung entzogen. Selbstverständlich gilt hier ein absolutes Wegegebot. Neben dem häufigen Vorkommen der Türkenbundlilie an unserem Weg, fallen die reichlich vorhandenen Märzenbecher auf. Außergewöhnlich ist dieser Standort schon, bevorzugen sie doch sonst feuchtere Gebiete.
 
Nach weiteren 3 km weicht der Hochwald zurück und macht einem Jungwald Platz. Hier auf dem Buchenberg kommt auch der blaurote Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum) vor. In der vegetationslosen Jahreszeit bieten sich hier Ausblicke nach Norden über das große Bruch hinüber zum Elm dar.
 

Zu den Stromatolithen und der Daneilshöhle

 
Nun den halb rechts absteigenden Weg hinunter, rechts an den Gebäuden des forstwirtschaftlichen Betriebshofes vorbei, erreichen wir die sternförmige Kreuzung des Siebertplatzes. Hier befindet sich auch eine überdachte Sitzgruppe. Allerdings ist sie dermaßem hoch aufgestellt worden, das es für normal große Menschen schon einer sportlichen Anstrengung bedarf um auf den Sitzbänken Platz zu nehmen. Der weiter auf dem Kamm in westlicher Richtung verlaufende Pfad führt zu den Gletschertöpfen. Während der letzten Eiszeit haben die Schmelzwasser der Gletscher hier unter dem Eis zwei Kessel in den weichen Kalkstein geschliffen.
 
Den breiten Forstweg in nordöstlicher Richtung abwärts nehmen, immer der Ausschilderung „Jürgensbrunnen“ nach. An dem unten befindlichen Querweg nach rechts und nicht der Ausschilderung „Stromatolithen“ folgen. Der Weg verläuft in einem weiten Linksbogen auf einer Wiese zu. Rechts von uns ein Teich mit einer Sitzgruppe. Am folgenden Querweg nach links und am Ende der Wiese befinden sich rechts in einem aufgelassenen Steinbruch die fossilen Stromatolithendie zu den ältesten Lebensformen unseres Planeten gehören und wegen ihrer Form auch als Napfsteine bezeichnet werden.
 
Wir haben hier den Muschelkalk verlassen und befinden uns jetzt in der mittleren Buntsandsteinformation des germanischen Trias, mit dem vor 251 Millionen Jahren das Mesozoikum (Erdmittelalter) begann. Soviel nur zum Alter der hiesigen Blaualgenkolonien. Da Buntsandstein im Gegensatz zum Muschelkalk Wasser speichern kann, entspringen hier, in dem durch ausräumen der tonigen Zwischenschichten entstandenem Tal, zahlreiche Quellen.  
 
Nun auf dem Weg wieder zurück und weiter im Tal nach Osten. Rechter Hand zunächst noch begleitet von kleinen Wiesen durch die ein Bächlein, je nach Jahreszeit und Witterung, mehr oder weniger munter dahin plätschert, tauchen wir dann wieder in einem Hochwald ein. Die am Bachrand wachsende Pestwurz fällt im Vorfrühling durch ihre weißen Blüten und später durch ihre grünen Blattstiele auf. Es ist die Weiße Pestwurz (Petasites album) die hier wächst, während nur wenige Kilometer westlich, jenseite des großen Bruches, ausschließlich die Rote Pestwurz (Petasites nigrum) vorkommt.
 
Der Grund ist: die Klimagrenze zwischen dem submaritimen und dem subkontinentalen Klima, die hier ungefähr durch das große Bruch verläuft. Diese Klimagrenze, sowie die west-östlich verlaufende Grenze zwischen Löß- und Sandböden, verbunden mit den Höhenstufen von collin bis subalpin (Brocken) haben hier im Nordharz die nach Bayern zweitartenreichtste Flora Deutschlands entstehen lassen.
 
Nach ca. 3 km wird der Jürgensbrunnen, eine sich rechts im Wald befindliche Quellfassung, erreicht. Wir folgen dem Weg im Tal weiter, immer dem Wegweiser Daneilshöhle nach. Etwa weitere 3 km weiter, kurz vor Ende Waldes, rechts dann eine Höhle im Buntsandstein. Eine natürliche Höhle, die später erweitert wurde, und wahrscheinlich als Klause genutzt wurde. Auch als Unterschlupf für Räuber soll sie gedient haben, wie die Sage vom Räuber Daneil erzählt.
 
Diese Sage hat einen realen Hintergrund wie die Geschichte von Simon Bingelhelm, auch genannt Tausendteufel, der um 1600 in Halberstadt hingerichtet wurde. Interessant ist auch der Vergleich mit der Lippoldssage der Lippolodshöhle bei Brunkensen (Alfeld/Leine), die fast identisch ist.
 

Über den Röderhofer Teich zurück zum Kloster Huysburg

 
Nach dem verlassen der Daneilshöhle auf dem schmalen Pfad neben dem Fahrweg weiter nach Osten. Das Anwesen links jenseite der Straße ist die ehemalige Försterei. Am Waldrand, nach dem verlassen des Waldes, weiter auf der asphaltierten Fahrstraße. Rechts und links begleitet von Obstplantagen erreichen wir den rechts befindlichen Röderhofer Teich. Links das Ausflugslokal Jagdhütte.
 
Am Teich vorbei bis zur Straße und auf selbiger bis zur Seniorenwohnanlage. Hier nach rechts in die Straße "Am Wiesengrund" einbiegen und bergauf bis zum "Unterdorf-Nord". Geradeaus zum Gutshof und hier nach links über den Hof (hier soll ein Jugendhof entstehen) am Schloss vorbei bis zur Straße. Dieses Schloss wurde 1831 von Karl-Friederich von dem Knesebeck aus Abbruchsteinen des Klosters errichtet. Am Schloss den Weg rechts zwischen Schloss und Kriegerdenkmal aufwärts bis zur Waldecke. Nun den Weg halb rechts aufwärts bis zur asphaltierten Zugangsstraße des Klosters. An der Umfassungsmauer den Weg entlang der Mauer nehmen und unter den alten duftenden Linden bis zum Torhaus und in den Klosterhof.
 
Hier befindet sich auch in der ehemaligen Bibliothek ein Cafe, das leider nur an den Wochenenden geöffnet ist. (Näheres unter „Nützlichen Hinweisen und Informationen“) Die romanische Klosterkirche mit ihrer barocken Ausstattung ist durchaus einer Besichtigung wert. Das Kloster wurde 1080 als Doppelkloster gegründet und bestand bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 als Bendektinerkloster fort. 1952 wurde hier das einzige katholische Priesterseminar auf dem Boden der DDR eingerichtet. 1972 erfolgte die Neugründung als Benedektinerkloster.
 
 

 

 Nützliche Hinweise und Informationen

 
 
 
 
Anreise

 
Mit dem Pkw:
 
Aus Richtung Braunschweig: B 79 bis Halberstadt am Ortseingang links in die Braunschweiger Straße; an der Kreuzung links Auf die L 83 Röderhofstraße/ Huylandstraße nach Dingelstedt bis Abzweig Meilenstein und links der Ausschilderung Huysburg folgen
 
Aus Magdeburg: B 81 bis Halberstadt – B 79 Richtung Wolfenbüttel und weiter wie oben.
 
Aus Helmstedt: B 245 Halberstadt – B 79 und weiter wie oben.
 
 
Mit Öffentlichen Nahverkehr:
 
mit dem Zug bis Halberstadt und weiter mit Bus 206 bis Huysburg Abzw. Meilenstein
 
 
 
 
 
Kartenmaterial
 
Topografische Wanderkarte Blatt 11 Ldkrs. Halberstadt
Landesvermessung Sachsen-Anhalt
EAN/ISBN: 9783 897610842
 
 
 
                                                                       Einkehr, Verpflegung und Unterkunft
 
 

 
 
Am Röderhofer Teich 
Öffnungszeiten: 
Di. - So. 10:00Uhr - ? 
Mo. Ruhetag
 
 
Klostercafe
 
Öffnungszeiten: Fr. 14:00 - 17:00 Uhr
Sa. - So. 14:00 - 18:00 Uhr
 
 
Unterkunft:
 
Kloster Huysburg
 
Waldgaststätte Gambrinus
 Neubauten 48
38838 Huy OT Röderhof
Tel. 039425/977680
Öffnungszeiten:
Mi - So 11:00 - 22:00 Uhr


 
 
 
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt! Jede urheberrechtsrelevante Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Nachahmungen, und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und auf den aktuellen Stand gebracht, sowie auf Stimmigkeit überprüft. Da diese Informationen wie angeboten verfügbar gemacht werden, übernehme ich keine Haftung für jegliche Art von Verlust, Verletzung oder Unannehmlichkeit, die durch diese Informationen hervorgerufen werden könnten.
 
Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig
 

letzte Änderung: 01.03.2017
Alle Vergleiche powered by TARIFCHECK24 GmbH Zollstr. 11b 21465 Wentorf bei Hamburg Tel. 040 - 73098