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Im Harly-Wald (Vienenburg - Harlykamm - Wöltingerode - Vienenburg)

Autor: Uwe Barthauer
Erstellt: 19.01.2014
 

Im Harly-Wald

Vienenburg - Harlykamm - Wöltingerode - Vienenburg



Wandern

 
Dauer Jahreszeit Straße
Piste/Feldweg Wanderweg- pfad
15 km 5 -6  Std. ganzjährig < 5%
20% 75%

Schwierigkeit

Höhendifferenz

Frequentierung

Unterkunft

Sonstiges
leicht niedrig gering
privat überwiegend schattige Waldwanderung

»Legende«

Nördlich des Harzes erstreckt sich, parallel zu ihm und westlich der Oker, bei Vienenburg der ca. 6 km lange Höhenzug des Harly-Waldes, der mit dem von einem Aussichtsturm gekrönten 256m hohen Harlyberg seine größte Höhe erreicht. Über seinen Kamm verläuft ein wunderschöner schmaler Wanderpfad, begleitet von bizarren Bäumen, die auf diesem trockenen, steinigen, humusarmen und von Wetter und Wind umtosten Standort einen mühsamen Existenzkampf führen. Eine überwiegend schattige Waldwanderung, die zu jeder Jahreszeit ihren Reiz hat.


 
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  • Bizarre Bäume
  • Die Wälle der Harlyburg
  • Harlyturm
  • Kammweg
  • Grenzstein
  • Waldmänneken-Höhle
  • Ohne Kommentar
  • Klostertor
  • Klostergebäude
  • Vienenburger See
  • Oker bei Vienenburg mit Erdfall
  • Bahnhof Vienenburg (älteste erhaltene Bahnhofsgebäude Deutschlands)
  • Eisenbahnmuseum

Hier Wanderkarte

Vienenburg - Harlykamm - Wöltingerode - Vienenburg

 

Vom Bahnhof zur Harlyburg


Harly oder Harli auch Harlywald oder Harly-Wald genannt, kommt vom althochdeutschen Hart und bedeutet nichts weiter als Wald, so begegnet uns dieses Wort in vielen Flurbezeichnungen wie Harz, Spessart (Spechtswald) oder Rothaargebirge (das nun wirklich nichts mit roten Haaren zu tun hat). Der Harly ist der kleine Wald, der kleine Harz. Mit diesem hat er allerdings nicht mehr gemeinsam als die herzynische Strichrichtung (WNW - OSO) und das er seine Entstehung, genau wie alle anderen Höhenzüge nördlich des Harzes, eben diesem verdankt.

Während der Unterkreide (vor ca. 141 Mill. Jahren), im Zuge der Harznordrandverwerfung, stießen die Salze der Zechsteinzeit (Endphase des Perm vor 258 - 252 Mill. Jahren) durch das Hangende der Buntsandsteinschichten (Halokinese) und stellten diese aufrecht. Geologisch gehört der Harly zu den Schmalsattelgebirgen. An seinem westlichen Ende sind alle mesozoischen Schichten vom unteren Buntsandstein bis zum oberen Muschelkalk aufgeschlossen. Durch erosionsbedingtem ausräumen des oberen "weicheren" Buntsandsteins entstand hier ein Längstal.

Ökologisch ist er ein naturnaher Hangwald auf trockenwarmen Kalk- und Silikatstandorten. Besonders interessant ist das nordwestlichste Vorkommen der Elsbeere (Sorbus torminalis). Auch ist die Krautschicht an solchen Standorten sehr artenreich. Allein das bloße vorhanden sein, stellt solche Biotope unter gesetzlichem Schutz.

Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof Vienenburg, dessen Bahnhofsgebäude der älteste erhaltene Bahnhof in Deutschland ist, gehen über die Fußgängerbrücke in Richtung Vienenburger See und wenden uns hier nach rechts. Weiter über den Parkplatz - wer mit dem Pkw anreist beginnt hier - nach links über die Okerbrücke Richtung Schacht I, und hinter der Brücke rechts immer an der Oker entlang.

Links die Fläche mit den Gebäuden ist der verfüllte Tagesbruch des Schachtes I des am 8. Mai 1930 durch plötzlichem Laugeneinbruch ertrunkenen Kalibergwerks Hercynia. Dabei wurde auch die von Halberstadt herkommende zweigleisige Eisenbahnstrecke Vienenburg - Langelsheim zerstört. Die Strecke wurde später auf gegeben und der Eisenbahnverkehr über Oker geleitet. Ein Gerücht besagt, das hier ein Güterzug in den Tagesbruch gestürzt sein soll. Es waren allerdings nur einige Güterwagen die hier zur Verladung bereit standen.

Der Wassereinbruch war so heftig, das die Bergleute fluchtartig über den Schacht III das Bergwerk verlassen mußten. In den nächsten Tagen entstanden im Südosten von Vienenburg noch 17 weitere Erdfälle. Auch der Güterbahnhof und die Zuckerfabrik in Vienenburg waren durch Bergschäden betroffen. 1960 öffnete sich noch einmal ein Erdfall auf der Höhe von Schacht II mitten in der Oker und 1980 mußten auf dem Gelände von Schacht II einige Häuser geräumt werden, da weitere Bergschäden befürchtet wurden.

Wir wandern in nordöstlicher Richtung zwischen Berg und Oker auf der ehemaligen Bahntrasse dahin und nehmen den ersten links abzweigen Weg aufwärts, der unter den Wällen der Harliburg  in einem weiten Rechtsbogen dahin führt. Am Querweg dann nach links bis zu dem breiten Forstwirtschaftsweg. Wer diesen Abzweig verpasst oder nicht gefunden hat, keine Angst. Einfach weiter bis zur A 395 und hier den schmalen Pfad links aufwärts bis zu dem Forstwirtschaftsweg und nach wenigen Metern den Weg links aufwärts zur Harliburg. Am Steinbruch,der hier die Funktion eines Burggrabens übernimmt, unterhalb des Walles auf dem Weg nach rechts, treffen wir auf den anderen Weg.

Wer will, geht weiter aufwärts und sieht sich die Überreste der ehemaligen Reichsburg an. Es muß eine gewaltige Burg gewesen sein, die hier 1203 während der welfisch - stauferischen Auseinandersetzungen Kaiser Otto IV. als Zwingburg gegen das staufertreue Goslar errichten ließ. Später zu einem Raubritternest verkommen wurde sie am 16. August 1291 durch den Bischof von Hildesheim nach viermonatiger Belagerung eingenommen und vollständig geschleift. Mit den Steinen wurden dann die Vienenburg und die Wasserburg Wiedelah errichtet

Vorsicht beim besteigen der Wälle, sie sind immer noch sehr steil und die in den Felsen gehauenen Gräben tief. Die Vertiefungen im Erdboden zeigen die Stellen von Gebäuden an, deren Fundamente aus gegraben wurden.
 

Über den Harlyturm zum Kloster Wöltingerode und zurück

 
Am Forstwirtschaftsweg an gekommen, haben wir die Qual der Wahl. Entweder nach links abwärts und den nächsten Pfad rechts aufwärts oder nach rechts und den nächsten Pfad links. Ganz gleich wie wir uns entscheiden, wir müssen hinauf auf den Kamm und folgen hier dem schmalen Pfad der sich in westlicher Richtung in leichtem auf und ab dahin windet. Schmal und steinig ist dieser Pfad, der zunächst noch aufwärts führt um sich dann allmählich ab zu senken. Besonders interessant ist hier das Waldbild. Ein Buchenmischwald mit kleineren z.T. verkrüppelten Buchen, Winterlinde und eben den Elsbeeren. Bäume die hier ihr einziges größeres authochtones Vorkommen in unserer Region haben.

Nach ca. 2 km und leichtem Anstieg wird der Harlyturm erreicht. Hier auf dem 256 m hohen Harlyberg haben wir die größte Höhe erreicht. Zwischen April und November ist der Turm Sonn- und Feiertags von 7:00h - 17:00h geöffnet und wird bewirtschaftet. Die Aussicht aus der Turmstube bei Kaffee und Kuchen sollte man sich nicht entgehen lassen. Der Blick hinüber zum Harz, über den der Brocken weit hinausragt ist einfach nur wunderschön. Vor dem Turm laden Bänke zu einer kurzen oder auch ausgedehnten Rast ein. Die Aussicht ist hier allerdings durch Büsche und Bäume stark eingeschränkt.

Rechts am Turm vorbei führt unser Pfad zunächst leicht abwärts um dann wieder anzusteigen. Steinig und gelegentlich von gestürzten Bäumen blockiert zieht sich unser Pfad dahin. Die Grenzsteine hier bilden die ehemalige Grenze zwischen der preussischen Provinz Hannover und dem Freistaat Braunschweig. Seit 1941 nur noch Kreisgrenze zwischen den Landkreisen Goslar und Wolfenbüttel.

Im letzten und schönsten Abschnitt ist unser Pfad nur noch ein inoffizieller Trampelpfad. Dort wo der Kamm abruppt endet, den schmalen und sehr steilen Pfad nach links abwärts. Unten am Forstweg nach rechts und am Waldrand wieder links. Nach 50 m links die Waldmänneken Höhle. Eine der beiden Harlyhöhlen und wahrscheinlich anthropogenen Ursprungs. Weiter abwärts und vor dem Weddebach wieder links und immer oberhalb des Baches in östlicher Richtung.

Zunächst noch leicht ansteigend senkt sich unser Weg wieder und führt in einem weiten Rechtsbogen zum Waldrand. Am Waldrand nach links und den Weg am Wald entlang aufwärts. Oben sind schon die Klostergebäude von Wöltingerode zu sehen. Abwärts und auf dem Asphaltweg nach rechts zur Straße. Über die Straße und den Fußweg nach links entlang der Klostermauer bis zum Tor.

Das Kloster Wöltingerode wurde 1174 durch die Grafen von Wohldenberg als Benediktinerkloster errichtet und kurze Zeit später in ein Nonnenkloster der Zisterzienser umgewandelt. Es ist unter anderem das Mutterkloster des Heideklosters Wienhausen bei Celle. In den Wirren der Reformationszeit und des Dreißigjährigen Krieges wechselte es ständig die Konfession. 1809 dann durch Jerome von Westfalen aufgehoben und 1818 mit dem Allgemeinen Hannoverschen Klosterfond vereinigt.

Bekannt ist Wöltingerode heute durch seine Brennerei. Der Wiederaufbau nach dem Brand 1676 wurde unter anderem mit dem Brennen von Korn finanziert. Eine Traditionsline die sich bis heute fortsetzt. Donnerstags und an den Wochenenden finden hier Verkostungen der Spirituosen statt. Wer also zur richtigen Zeit hier ist und mit der Bahn anreiste... und wer als Pkw Fahrer angereist ist - muss sich halt mit Wasser begnügen. Seit der Übernahme der Altenauer Privatbrauerei gibt es hier auch ein "Wölti-Pils".

Durch das Tor und über den Hof nach links. Die barocken Klostergebäude dienen heute als Hotel. Die Kirche, eine Doppelkirche, wird im Ostteil für Gottesdienste genutzt, während der Westteil mit der Nonnenempore heute als Konzertsaal und für Veranstaltungen Verwendung findet. Rechts, gegenüber der früheren Klausur, in der ehemaligen Klostermühle, befindet sich das Lachsinformationscenter, das Informationen über unsere heimische Fischwelt und ihrer Lebensräume bietet. Weiter durch das Tor, auf der anderen Straßenseite, steht der Klosterkrug der eine Einkehr ermöglicht.

Zurück zum Eingangstor (entweder wieder über den Hof oder außen an der Mauer entlang) über die Straße und auf dem asphaltierten Weg in nordöstlicher Richtung auf die Gebäude des früheren Schachts II zu. Ein kurzes Stück in den Wald hinein und auf dem Hercyniaweg nach rechts. Bei den letzten Gebäuden rechts und gleich wieder links, wandern wir hoch über dem Steilufer an der Oker entlang. Ein Blick abwärts auf den Fluss, zeigt den 1960 entstandenen Erdfall. Dann die Treppe hinunter, die Oker auf der Brücke überqueren und den nächsten Weg links um den See herum bis zu unserem Ausgangspunkt. Wer mag und gut in der Zeit liegt, besichtigt noch das Eisenbahnmuseum im historischen Bahnhof.
 

Nützliche Hinweise und Informationen


 

Anreise

Mit dem Pkw:
A 395 bis Ausfahrt Vienenburg

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit dem Zug bis Vienenburg

Auskunft hier

Kartenmaterial
L 4128 Goslar 1:50 000
Landesvermessung Niedersachsen
 


Einkehr und Verpflegung


Bahnhofscafe Vienenburg

Montag Ruhetag
Dienstag - Samstag 
8:30h - 17:00h
Sonn- und Feiertag
9:30h - 18:00h


Klosterkrug Wöltingerode

Öffnungszeiten: 11.00 bis 22.00 Uhr
Warme Küche: 12.00 Uhr bis 14.00
Uhr und 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr

Telefon: 05324-2046
Fax: 05324-717554
 


Harlyturm

April bis November
Sonn- und Feiertags
10:00h - 17:00h

Unterkunft
 
Klosterhotel Wöltingerode

Wöltingerode 3
38690 Goslar / OT Vienenburg

Tel: 05324 / 77 44 60
Fax: 05324 / 77 44 619

E-Mail: hotel @ klosterhotel-woeltingerode.de


 


Sonstiges:

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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig


 

letzte Änderung: 17.03.2017
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