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Im Elm (Rund um das Reitlingstal)

Autor: Uwe Barthauer
Erstellt: 22.02.2012

 

Im Elm

Rund um das Reitlingstal


Wandern

Dauer

Jahreszeit

Straße

Piste/Feldweg

Wanderweg- pfad
3 - 4 Std 8 km Jan. - Dez.
    0%      20%         80%

Schwierigkeit

Höhendifferenz

Frequentierung

Unterkunft

Sonstiges
  Leicht    Niederig
      Mäßig     Privat Waldwanderung - für Kinder geeignet

»Legende

Der Elm, ein aus fossilienreichem  Muschelkalk bestehender Höhenzug etwa 20 km östlich von Braunschweig, ca. 25 km lang und 3 - 8 km breit, bedeckt überwiegend mit Laubhölzern, ist Norddeutschlands größter Buchenwald. Mit dem 323 m hohen Eilumer Horn, stellt er die höchste Erhebung nördlich des Harzes dar. Wasserarm und deshalb fast unbesiedelt - wenn man von einigen wenigen Ausflugsgaststätten und Förstereien absieht - ist er ein herrliches Wandergebiet, das zu jeder Jahreszeit seinen Reiz hat und viele floristische und faunistische Besonderheiten bietet. Der schönste Teil ist vielleicht das Reitlingstal.


 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Vorwerk Reitlingstal
  • Blick zum Drachenberg
  • Blick zum Herzberg
  • Blick über Vorwerk zu den Krimmelburgwällen
  • Holzstapel


 

Wanderkarte


Reitlingstal-map-ads-de.pdf

Das Reitlingstal


Hier an der Westflanke des herzynisch streichenden Elms (NWW - SOO) , bei dem Dorf Erkerode, erstreckt sich das von der Wabe durchflossene Reitlingstal in östlicher Richtung ungefähr 3 km in den Elm hinein, um dann mit einem ca. 800 m breiten Talkessel, umgeben von Burg-,  Kux- und  Herzberg, ab zu schließen. Da der Talgrund aus Buntsandstein und die umgebenden Berge aus Muschelkalk bestehen, tritt das auf den Höhen versickernde Wasser über die trennende Lettentonschicht als sogenannte Überlauf- oder Überfallquelle wieder zu Tage. Das hier in dem Feuchtgebiet der sogenannten Hölle austretende Wasser bildet das Quellgebiet der Wabe..

Hölle oder Helle bedeutet im Althochdeutschen ein sumpfiges Quellgebiet. Auch das Wort Reitling, abgeleitet von Reit oder Ried für Schilf, deutet auf ein sumpfiges Gelände hin.  Das Tal wird von dem im Talkessel befindlichen Weide- und Reiterhof und vormaligem Vorwerk als Grünland landwirtschaftlich genutzt. Umgeben von den mit Buchen bestockten Höhen ist so ein ausgesprochen wunderschönes Wiesental entstanden.

Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Wanderparkplatz der sich am östlichen Rand des Talkessels befindet. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann seine Wanderung auch in Erkerode anfangen. Weiters dazu unter den Hinweisen und nützlichen Informationen. Die Buslinie, die früher den Elm von Braunschweig aus bediente, ist leider eingestellt worden.

Vom Parkplatz aus in Richtung Süden den Waldweg nehmen, der parallel zur Straße verläuft. Links neben uns, das kleine Bächlein, ist der Mönchespring der nach nur wenigen Metern in der sogenannten Teufelsküche von einem Ponor (Bachschwinde), der sich in einem kleinen mit Laub gefüllten Erdfall befindet, geschluckt wird. Auf Höhe der auf der anderen Straßenseite befindlichen Waldecke die Straße überqueren und den schmalen Pfad zwischen Weidezaun und Wald nach Westen gehen.

Jenseits der Pferdekoppel ist das frühere Vorwerk zu sehen, das sich an der Stelle einer ehemaligen Wasserburg befindet. Diese Burg, die sich im Besitz des Deutschen Ritterordens befand, wurde im dreizehnten Jahrhundert aufgegeben und nach dem talabwärts liegendem Lucklum verlegt. Die hiesige Kommende entwickelte sich zur Landkomturei. Friedrich von Hardenberg, der als frühromantischer Dichter unter dem Namen Novalis bekannt ist, verbrachte hier ein Jahr seiner Jugendzeit  unter der Obhut seines Onkels, des Landkomturs Friedrich - Wilhelm v. Hardenberg.

Novalis, Bettina v. Arnim, Lessing, Gleim, Wilhelm Raabe, Friedrich Gerstäcker und Ricarda Huch - sie sehen, die Gegend um den Harz hat auch literarisch einiges zu bieten. Vielleicht gehöre ich ja eines Tages auch zu dieser illustren Gesellschaft. (Bitte nicht ernst nehmen!!!)  Aber irgendwie muß man ja den "Schwaben" Paroli bieten. Sie kennen deren Spruch? "Der Schiller und der Hegel, der Uhland und der Hauf. Das ist bei uns die Regel, das fällt hier gar nicht weiter auf." Da können wir hier doch einiges mehr aufbieten, aber lassen wir den Spaß beiseite und wandern weiter unseren Weg.

Von dieser Burg sind allerdings keine Überreste mehr zu finden. Die letzten Wallreste und die Grundmauern einer Kapelle sollen um 1840 beseitigt worden sein. 
 

Entlang der Wabe nach Erkerode

 
Obwohl hier genug Wasser vorhanden war, kam es, auf Grund der nur geringen für die Landwirtschaft geeigneten Flächen, nie zu einer Siedlungsgründung. Und so blieb dieses schöne Wiesental erhalten. Der Blick geht über Wiesen und Vorwerk hinüber zum Burgberg, auf dem sich die prähistorischen Wallanlagen der Krimmelburg befinden. Doch dazu später mehr.

Nach wenigen Metern entfernt sich unser Pfad etwas von der Koppel und verläuft nun als wenig genutzter Forstweg weiter gen Westen. Nach etwa 500 m knickt der Weg nach Norden ab und führt zwischen Wald und Wiesen, begleitet von einer Galerie alter Buchen, bergab bis zur Wabe um sich hier wieder nach Westen, vorbei am Langen Teich, zu wenden. Die Teiche, ihre Ufer und ihre Dämme sind, genau wie der sich links von uns befindliche Kuxberg, Naturschutzgebiete und dürfen nicht betreten werden. "Lass'  deine Augen offen sein, geschlossen deinen Mund und wandle still, dann werden dir geheime Dinge kund:" Schrieb einst Hermann Löns. Halten wir uns in einem Naturschutzgebiet daran und bleiben wir auf dem Weg.

Kurz danach links von uns eine Informationstafel, die auf die links von uns befindliche Brunkelburg hinweist. Auch hier Wälle, die aus prähistorischer Zeit stammem. Zwei Wallreste, die sogenannten Stummeln, deuten an, daß sich hier Befestigungen bis zum jenseitigen Berghang hin zogen. Diese Wälle, gemeinsam mit andern Wallresten und vermuteten Wällen, lassen die Vermutung zu, das der ganze Talkessel einst eine befestigte Anlage war.

Begonnen wurden die Anlagen schon im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, also während der La - Tene - Zeit, und so läßt sich ihre Bedeutung und Nutzung heute nicht mehr ermitteln. Zu dem auch kaum Nutzungsspuren bei Ausgrabungen  zu finden waren. Jedenfalls wurden sie bis in das Mittelalter hinein immer wieder erneuert, verstärkt und als Fluchtburgen genutzt. Die Krimmelburg so gar noch bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Mit ihren ganzen Wällen bilden sie allerdings die größte prähistorische Befestigungsanlage im gesamten norddeutschen Raum.

Weiter geht es nach Westen, immer zwischen Wald und Wiese, entlang der Wabe. Hier in diesem Gebiet, kommt, wenn auch nur vereinzelt und zerstreut, die große Sterndolde (Astrantia major) vor. Sie hat hier ihr ihren einzigen Standort nördlich des Harzes und damit die Nordgrenze ihres Verbreitungsgebietes erreicht. Ich habe auch schon in anderen Tourenbeschreibungen darauf hingewiesen, das das ostfälische Hügelland, auf Grund besonderer geografischer und geologischer Situationen, die zweit-artenreichtste Flora Deutschlands besitzt.

Nach ungefähr weiteren 2 km, am Ende des Waldes, dem abknickenden Weg 100 m nach  Norden folgen, die Wabe überqueren und auf der Straße nach rechts. In der Wabe fallen Wasserpflanzen mit gefiederten Blättern auf. Es ist die Brunnenkresse (Nasturtia officinalis) die nur in klaren, sauberen Bächen und Quellgewässern mit gleichmäßiger Temperatur vorkommt. Mit ihrem scharfem rettichartigen Geschmack ist sie essbar und wird in Erfurt auch gewerblich angebaut. Auch ist  in der Wabe der europäische Flußkrebs von der Krebspest verschont geblieben und hat hier ein autochthones Vorkommen.
 

Unter  silbernen Säulen zurück zu unserem Ausgangspunkt


Der Straße bis zum jenseitigen Waldrand folgen, an der Waldecke nach links und gleich dem nächsten Weg, einem nur schmalen kaum zu erkennenden Pfad, nach rechts folgen. Zunächst aufwärts, senkt sich unser Pfad wieder abwärts um dann in einem Forstweg einzumünden. Hier nach links und in einer Spitzkehre wieder bergauf.  Unser Waldweg, mit Gras bewachsen und von Laub bedeckt, führt unter mächtigen Buchen allmählich aufwärts, wobei er alle Bodenerosionen umgeht. 150 - 200 Jahre sind diese Buchen alt, die mit ihren silbernen Stämmen wie Säulen in den Himmel ragen und ihre dichten Kronen lassen während der Vegetationszeit kaum Licht auf den Boden dringen.

Im Frühling allerdings, wenn die Bäume gerade ihre ersten grünen Spitzen zeigen, herrscht hier  wo sonst nur Schatten ist, ein üppiges Wachstum. Anemonen, Lungenkraut, Leberblümchen, der Aaronstab, die Hohe Schlüsselblume und Andere wetteifern gleichzeitig oder in kurzen Abständen nacheinander mit ihrer Blütenpracht. Der letzte ist dann der Bärlauch, dessen  weiße weithin leuchtenden Blüten ihren Knoblauchduft verströmen, wenn sich schon das Blätterdach zu schließen beginnt.

In den alten hohlen und morschen Bäumen zimmert sich der Schwarzspecht sein Domizil, seine Kinderstube und in seine alten verlassenen Bruthöhlen ziehen zahlreiche Nachmieter ein. So unter anderem Waldkauz und Fledermaus, Eichkater und Baummarder. Und das alles zusammen, macht diese Buchenaltbestände so ökologisch wertvoll.

Auch im Herbst unter bunten Bäumen läßt es sich hier herrlich wandern. Gerne entsinne ich mich einer Tour an einem wirklich goldenen Oktobertag. Eine milde Herbstsonne, strahlend blauer Himmel und ein leichter Hauch Zephyrs, der die bunten Blätter von den Bäumen löste und sanft zu Boden gleiten ließ. Ein Tag zu schön zum laufen und so wurde das auch nur eine kurze Tour. Der Rückweg führte dann bei schon beginnender  Dunkelheit, aus den Wiesen aufsteigendem Nebel, unter einem blassen Vollmond, begleitet von dem Ruf der Käuzchen heimwärts durch dieses Tal.

Selbst jetzt in der Winterzeit, wenn eine schon etwas kräftigere Spätwintersonne die silbernen Stämme und das braune Laub im Streiflicht aufleuchten läßt und die Bäume ihren blauen Schatten auf eine weiße Schneefläche fallen lassen, macht das Wandern hier Freude. Wenn  auch noch Goldammer und Buchfink  einem mit ihren Gesang erfreuen und den nahenden Frühling ankündigen, dann ist es besonders schön.

So wandern wir in leichtem auf und ab dahin. Nach erreichen des Scheitelpunktes führt unser Weg abwärts durch einen Buchenjungwald und erreicht eine Forststraße. Links aufwärts geht es zur Krimmelburg unter deren Wällen sich der absolut nördlichste Standort der Stinkenden Nießwurz (Helleborus foetidus), einer nahen Verwandten der Christrose, befindet. Wir benutzen die Forststraße in östlicher Richtung und sehen nach wenigen Metern rechts die Wälle des Wurtgartens.

Auch dieser eine Wallburg, allerdings wesentlich jüngerem Datums. Diese Wälle stammen aus dem 9. Jahrhundert und sind fränkischen Ursprungs. Es ist die Zeit, in der  die Franken unter Karl dem Großen die Sachsen unterwarfen. Diese Burg sollte wahrscheinlich verhindern, das der hiesige sächsiche Stamm der Ostfalen unter ihrem Herzog Hassio oder Hessi die Wallburgen zum Widerstand nutzte. Dafür spricht, das sie bereits im 10. Jahrhundert wieder aufgegeben wurde. Heute ist nur noch die nördliche vom Wald bedeckte Hälfte vorhanden. Der südliche in den Wiesen liegende Teil ist eingeebnet. Läßt sich jedoch zu bestimmten Jahreszeiten und unter bestimmten klimatischen Bedingungen an Hand der Vegetation erkennen.

Unser Weg führt dicht am Waldrand dahin und gibt immer wieder den Blick über die Wiesen zum gegenüberliegenden Berghang hin frei. Herrliche alte Buchen mit ihrem knorrigem Wuchs säumen den Wiesenrain. Der Weg mündet nun in eine asphaltierte Fahrstraße ein, die uns zu der Ausflugsgaststätte  führt. Nach einer ausgiebigen Rast nun den Weg zwischen den Weidezäunen abwärts zur Straße, kurz noch durch einen Waldzipfel und auf dem Pfad zwischen Graben und Weidezaun bis zu unserem Parkplatz. 

Nützliche Hinweise und Informationen




Anreise:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit dem Zug bis Braunschweig und weiter mir Buslinie 730 bis Erkerode Hier Fahrplanauskunft

Start und Ziel liegen im Tarifbereich des VRB. Niedersachsenticket und Schönes-Wochenende-Ticket  werden anerkannt.

Mit dem PKW:
Aus Richtung Braunschweig. A 39 bis Ausfahrt Cremlingen und weiter B 1 bis Abzw. Destedt und weiter über Destedt und Erkerode. In Erkerode Ausschilderung Langeleben/Reitling folgen.

Aus Hannover oder Magdeburg: A 2 bis Ausfahrt Königslutter und weiter  über L 290 Richtung Schöppenstedt bis Abzw. Gr. Rhode; hier über L 629 Richtung Erkerode

Kartenmaterial:

L 3730 Königslutter Landesvermessung Niedersachsen
ISBN 3-98435--531-X

KV-Plan Elm
1:25000
KV-Verlag Hans Tacken Essen
ISBN-978-3-89641-342-0


Einkehr und Verpflegung
Gaststätte Reitling im Elm

   Öffnungszeiten


Im Sommer:

April bis Oktober
Täglich ab 9:00 h bis je nach Witterung   19:00 h - 21:00 h

Im Winter

November - März
Mi - So ab 9:00 bis ca. 18:00 h Mo + Di Ruhetage


Unterkunft

In Königslutter, Schöningen und Schöppenstedt stehen Quartiere verschiedener Kategorien zur Verfügung

 

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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar
© Uwe Barthauer Braunschweig

letzte Änderung: 15.05.2016
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