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Hornburg - Fallsteinklause - Hornburg (zu den Adonisröschen vom Fallstein)

Autor: Uwe Barthauer
Erstellt: 21.04.2011
 

Hornburg – Fallsteinklause – Hornburg

 Zu den Adonisröschen vom Fallstein


  
Wandern

  
Dauer    Jahreszeit Straße
Piste / Feldweg  Wanderweg - pfad
5 - 8 Std. 18 km  März – Okt   5%  
50% 45%

Schwierigkeit 

Höhendifferenz

Frequentierung

 Unterkunft 

Sonstiges
 Leicht   niederig  mäßig
Privat Viele bot. Raritäten


»Legende
 
Zu den zahlreichen Hügelketten des Nordharzer Vorlandes gehört unter anderem auch der Kleine Fallstein, der sich etwa mit einer Länge von 10 km - parallel zum Harz - zwischen den beiden Fachwerkstädtchen Hornburg und Osterwiek erstreckt. Die durch die Harzauffaltung enstandenen Hügel, mit ihren unterschiedlichen Sedimentgesteinen, bieten zahlreichen seltenen Pflanzenarten einen Standort. Eine abwechslungsreiche Wald-, Feld- und Wiesenwanderung, mit vielen botanischen Kostbarkeiten und großartigen Fernsichten, durch das ehemalige Sperrgebiet der DDR.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Harzblick
  • Blick über Bühne zum Harz
  • Alte Linde
  • Das \"Loch im Zaun\"
  • Das war einmal der Todesstreifen
  • Junger Birkenwald
  • Wachtturm
  • Blick zum Gr. Fallstein
  • Adonisröschen (Adonis Vernalis)
  • Purpurknabenkraut (Orchis purpurea)

 

Wanderkarte


Hornburg-Fallsteinklause-Hornburg-map-ads-de.pdf

 

Von Hornburg über den Kamm des Kl. Fallsteins hin zum „Todesstreifen“

 

Hornburg, ein kleines Städtchen im Harzvorland, eine Ackerbürgerstadt, bezog einst seine Bedeutung aus dem Hopfenanbau und dem Hopfenhandel. Diese sehenswürdige Fachwerkstadt gehört heute zur Samtgemeinde Schladen und ist auch der Geburtsort von Suitger, Bischof von Bamberg, dem späteren Papst Clemens II., der hier 1005 als  Graf von Morsleben und Hornburg geboren wurde und mit dem sich die Stadt noch heute schmückt.

In Hornburg der Straße nach Osterwiek, am Friedhof vorbei, bis kurz vor dem Ortsausgang zum Kapellenweg folgen. Hier, links auf dem ausgeschilderten, asphaltierten, von einer Kastanienreihe begleiteten, Wirtschaftsweg bergauf bis zum Waldrand. Weit geht der Blick nach rechts zum Harz und nach links in das Große Bruch, das die Wasserscheide zwischen Elbe und Weser bildet. Am Waldrand dann links, unter zwei mächtigen alten Linden, eine Bank die zu einer kurzen Rast einlädt.

Nach ca. 500m, bei der rechts befindlichen Schutzhütte, weicht links der Wald zurück und gibt den Blick über das Große Bruch hinüber zum Großen Fallstein frei. Unser Weg taucht wieder in den Wald ein, ein Mischwald, der mit den Sämlingen zahlreicher Kirschbäume, die aus den verwilderten Kirschplantagen stammen, durchsetzt ist und die zu dieser Jahreszeit mit ihren weißen Blüten einen wunderschönen Kontrast zu dem hellen Grün bilden. Dort wo sich rechts das dunkle Grün einiger Fichten, mit dem hellen Grün von Birken, Buchen und Eichen mischt, leuchten von unten die roten Dächer der Ausflugsgaststätte „Willeckes Lust“ herauf.

„Willeckes Lust“, eine beliebte Ausflugsgaststätte - inmitten von Obstgärten gelegen - war früher berühmt für seine Obstweine. Insbesondere für den Kirsch- und den Hagebuttenwein. Oft habe ich hier gesessen und an Sonntagnachmittagen, bei Kaffee und Kuchen, dem virtuosen Pianospiel der hochbetagten Seniorchefin gelauscht, die für ihre Gäste spielte. Still war es dann im Saal – wenn ihre Greisenfinger flink über die Tasten glitten und die Klänge von Bach, Beethoven und anderer Komponisten den Saal durchzogen. Heute stehen die Gebäude einsam inmitten verwilderter Obstgärten und träumen von vergangenen Zeiten. Doch wie heißt es so schön: „Glückliche Tage, nicht weinen weil sie vergangen – sondern lächeln, da sie gewesen“.

Und so wandern wir weiter. Rechter Hand endet nun der Wald und gibt den Blick frei über Felder; Haine und Obstgärten, hinüber zu den Harzbergen über die der Brocken herausragt. Vierzig Jahre lang, so nah und doch so unerreichbar fern gewesen.

Links werden wir noch ein kurzes Stück vom Wald begleitet, an dessen Rand sich gewaltige Schwarzkiefern erheben, deren Nadeln ihren würzigen Pinienduft verströmen und deren große Zapfen sich, am Boden liegend, knisternd in der warmen Frühlingssonne öffnen. Am Boden eilen Rote Waldameisen hin und her. Das Wort Ameise, altdeutsch Emse genannt, prägte sich nachhaltig in den deutschen Sprachschatz ein. „Emsig“, nennen wir Menschen, die fleißig einer Tätigkeit nachgehen – und wenn wir den Tieren so zusehen, wird einem die Bedeutung dieses Wortes bewußt.

Vor uns da wo einst die Grenze - ein richtiger Todesstreifen - mit ihren Drahtverhauen, ihren Minenfeldern und ihren Selbstschußanlagen war, flutet nun junger Birkenwald rechts und links den Hang hinunter. So manches mal habe ich hier gestanden und in das verbotene Land geschaut: Fern, fremd und doch zugleich ein Stück Heimat, wie ich sie aus den Erzählungen meines Vaters kannte. Hier war jahrzehntelang die Welt buchstäblich zu Ende – Terra finistrum.

Gerne entsinne ich mich jenesTages, an dem hier auf einmal alles anders war. Ein Loch im Zaun und der Weg frei bis hinter dem Horizont. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte mich damals, als ich hier zum erstenmal weiter gehen konnte. Über zwanzig Jahre ist das nun her, und noch immer ist es für mich nicht selbstverständlich geworden. Und noch immer, noch immer ist es wenn Ost und West zusammen kommen, bei allen die das damals miterlebten, ein Geprächsthema – jener Tag als die Mauer fiel.

 

...und weiter zur Fallsteinklause

 

Vierzig Jahre war hier die Welt in Ost und West geteilt, in „Gut und Böse“. Wobei es hier auf den jeweiligen Standpunkt ankommt, so wie später in „hüben und drüben“. Zwei Vokabeln die heute kaum noch benutzt werden, eigentlich nur noch, wenn wir irgendwelchen „weit weg wohnenden“ erklären müssen wo was ist. Dann fallt der hübsche Satz: „Da wo früher einmal drüben war“.  Sie merken schon an meinen Ausschweifungen, daß mich das Thema noch immer sehr beschäftigt und verzeihen mir meine Sentimentalitäten.

Nun hinein in den jungen Birkenwald und nach wenigen Metern dann die Reste des alten Grenzzaunes. Durch die Öffnung hindurch, über den Sperrgraben und auf den mit den typischen Betonplatten ausgelegten Weg in Richtung Osten durch den Birkenwald. Dort wo sich der Wald nach links in Richtung Norden über den Ort Rhoden hin öffnet, der alte Wachturm. Weithin sichtbar stand er einmal auf diesen Bergkamm, schaute in allen Richtungen, um zu verhindern das irgend jemand Unbefugtes diesen Sperraum betrat. Auch unter Gebrauch der Schußwaffe. Nun steht er hier beinahe versteckt und hin geduckt, so als würde er sich schämen.

Rechter Hand begleitet uns der Birkenwald und links der Blick  über Rhoden zum Großen Fallstein. Als ich damals nach der Wende den Ort das erstemal besuchte, war ich erschüttert über den Verfall der sich mir darbot. War der Verfall in den Dörfern schon schlimm genug, war es hier im Sperrgebiet besonders grausig. Nichts durfte neu gebaut, nichts verändert werden. Auch das betreten der Dörfer war nur mit besonderem Passierschein möglich. Heute sind schon von oben die neuen Dächer und Fenster sowie die neuverputzten Wände zu sehen.

Unser Plattenweg steigt nun links in das Tal ab, hinunter nach Rhoden, wo einst eine Kaserne der Grenztruppen war. Rechts am Ende des Waldes eine Schutzhütte und Rastgelegenheit. Nach Süden schauen wir hinüber zum Harz und im Norden grüßen die Höhenzüge von Elm, Asse, Huy und Fallstein. Weiter geht es nun geradeaus auf dem Feld- und Forstweg wieder in einen Laubmischwald, durchsetzt mit Fichten und Kiefern. Herrlich ist es hier, unter den rauschenden und duftenden Bäumen und zwischen den Resten blühendender Obstgärten dahin zu wandern.

Rechts öffnet sich nun wieder der Wald und unser Weg erreicht die von Hoppenstedt nach Rhoden führende und mit blühenden Obstbäumen gesäumte Landstraße. Diese nun überqueren und weiter auf dem nun freien Kamm. Windig ist es hier oben. Der Blick geht nach rechts und links über die Dörfer mit ihren blühenden Obstbäumen. Wie schrieb doch Ludwig Uhland in seinem Gedicht Frühlingsglaube: „...man weiß nicht was noch werden mag, das blühen will nicht enden...“

In dem Wald vor uns, mit seinen mächtigen Buchen und Eichen, den wir nun erreichen, verwandelt sich der Weg in einen schmalen Pfad, der sich sanft abwärts schlängelt. Über unsern Häuptern das helle frische Grün, zu Füßen blühende Buschwindröschen und in den Ohren den Gesang der Vögel, so macht das Leben Freude.

Am Waldrand auf dem Hohlweg abwärts, erblicken wir vor uns Osterwiek und links die Gebäude der Fallsteinklause. So müssen sich Wüstenreisende fühlen, wenn in der Ferne die Palmen einer Oase sichtbar werden. Am Querweg nach links bis zur Straße und wieder 500 m nach links einschwenken und die Fallsteinklause ist erreicht.
 
 

 Zu den Adonisröschen und zurück zu unserem Ausgangspunkt

  

Nachdem wir gegessen, getrunken und uns erholt haben, auf der Straße wieder zurück und nach rechts auf den Weg von vorhin. Wir nehmen jetzt jedoch den Weg unterhalb des Hanges und wandern zwischen der bergseitigen Wiese und den Feldern dahin. Schilder mit der Eule erinnern daran, das wir uns in einem Naturschutzgebiet befinden. Deshalb das Wegegebot beachten. Nach erreichen des Waldrandes führt unser Weg, nun mehr ein schmaler Pfad, zwischen Wald und Feldhecken dahin. Hier am Waldrand stehen Purpurknabenkraut (Orchis purpurea), Blauroter Steinsame (Lithosphermum purpurocaeruleum) und andere seltene Pflanzen.

Nach ungefähr 2km weicht der Wald zurück und eine große,von Schafen beweidete Wiese überzieht den Hang, der dicht an dicht mit den seltenen und streng geschützten Adonisröschen bedeckt ist. Auch rechts und links am Wegesrand stehen blühende Exemplare.

Hier im nördlichen Harzvorland, wo die pleistozänen (eiszeitlichen) Sander der Saalekaltzeit (Drenthe II) in die äolen Löße der Magdeburger- und der Hildesheimer Börde übergehen und sich mit der Klimagrenze zwischen submaritimen und dem Subkontinalklima kreuzen, entstand – auch bedingt durch die unterschiedlichen Höhenstufen, von Tiefland bis subalpin (Brocken) - die nach Bayern zweit-artenreichste Flora Deutschlands. Zahlreiche Pflanzen wachsen hier an den Grenzen ihrer Verbreitungsgebiete. So auch das postglaciale und zur pannonischen Steppenflora gehörende Adonisröschen (Adonis vernalis). Nirgendwo sonst in Deutschland, gibt es, auf so engem Raum, so viele Exemplare wie hier an der Südflanke des kleinen Fallsteins.
  
Etwa 500m wandern wir an der von Adonisröschen bedeckten Wiese entlang, die nur durch ständige Beweidung offen gehalten und vor der Verbuschung geschützt werden kann. Denn sollte sich der Hang wieder verbuschen und bewalden, wäre das das Ende für die Adonisröschen. Kurz bevor wir die Landstraße Hoppenstedt – Rhoden wieder erreichen, vor uns, jenseits der Straße, ein stillgelegter Steinbruch dessen Wand alle Gesteinsschichten erkennen läßt.
 
Als sich am Ende der Kreidezeit die variskische Pultscholle des Harzes noch einmal um mehrere hundert Meter hob und sich im Norden auf das Deckgebirge schob, so wie sich eine dicke Eisscholle auf einer anderen schiebt, stellten sich die Sedimentschichten aufwärts oder bildeten Sättel. Die zwischen den einzelnen Sedimenten liegenden weicheren Tone wurden durch Erosion ausgeräumt und so entstanden diese bis nach Braunschweig und Magdeburg reichenden Gebirge, die das ostfälische Hügelland bilden.
 
Nach erreichen der Straße auf dieser nach rechts den Berg hinauf, bis zu dem ersten links abzweigenden Pfad der uns wieder auf den Kamm führt. Jetzt nur noch auf unserem Weg von vorhin nach Westen und zurück zu unserem Ausgangspunkt.
 
Wie sie sicher bemerkt haben, habe ich diese Tour zur Frühlingszeit beschrieben. Das Adonisröschen blüht nun einmal in dieser Zeit. Genauer gesagt; April – Mai. Und nur an sonnigen Tagen öffnen sich seine Blüten. Deshalb den zeitlichen Rahmen so planen, das man hier irgendwann zwischen spätem Vormittag und frühem Nachmittag vorbei kommt. Was allerdings nicht bedeutet, das dieseTour nicht auch zu einer anderen Jahreszeit reizvoll ist. Ich wünsche jedenfalls allen viel Spaß beim Nachwandern.

 

 Nützliche Hinweise und Informationen



Anreise:
 
 
Mit dem PKW
 
A 395 bis Schladen und weiter B 82 Richtung Hornburg
 
 
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
 
Mit dem Zug bis Schladen und weiter mit Bus 752, 753 oder 754
Mit dem Zug bis Wolfenbüttel und weiter mir Bus 751, 7552, 753, oder 755
 
 
 
 
Karte:
 
L4030 Vienenburg
oder C4030 Osterwiek
Niedersächsische
Landesvermessung
 


Einkehr und Verpflegung


Unterkunft


Willeckes Lust
Hasenwinkelgrund 2
38315 Hornburg
05334 / 9488469 
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag
11:00 bis 21:00 Uhr
Gruppen auf Anfrage


 
 
 
Fallsteinklause Osterwiek
Im Fallstein 5
38835 Osterwieck
Telefon:
Fax: 0 39 421 / 29 200
0 39 421 / 69 705
Täglich ab 11:00 Uhr
Kein Ruhetag
 
 
 
 
In Hornburg stehen verschiedene Quartiere zur Verfügung
+++ Seit dem 01.04.2013 Willeckes Lust wieder eröffnet Sa. + So. 11:00 - 21:00 +++
 
 
 
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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig
 

"...und das bin ich"

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letzte Änderung: 21.12.2015
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