Wandervogel Uwes Homepage
Touren & Tips zum Wandern und Radwandern
Von Goslar nach Clausthal-Zellerfeld ("Es grüne die Tanne...")

Autor: »Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 31.01.2010
 

 Von Goslar nach Clausthal‑Zellerfeld

'Es grüne die Tanne  es wachse das Erz ...'

 
Wandern

 
Dauer     Jahreszeit Strasse 
 Piste/Feldweg Wanderpfad- weg
6‑8 Std   15 km    März‑Okt       10% 
       50%         40%

Schwierigkeit 

Höhendifferenz  

Frequentierung 

Unterkunft 

Sonstiges
    leicht         mittel       niederig 
   Privat   für Kinder geeignet
 
 »Legende
 
Von der alten Reichsstadt Goslar mit ihren Fachwerkhäusern und dem Silberbergwerk Rammelsberg ‑ das über 1000 Jahre in Betrieb war ‑ vorüber an den Teichen des Oberharzer Wasserregals durch dunkle Fichtenwälder, an den Zeugnissen eines Jahrhunderte alten Bergbaus vorbei, bis in die Doppelstadt Clausthal‑Zellerfeld führt diese Wanderung.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Brockenblick
  • Rathaus Goslar
  • Kaiserworth Goslar
  • Kaiserpfalz
  • Der Rammelsberg
  • Weidenröschen
  • Blick in das Gosetal
  • Zankwieser Teich

 

Wanderkarte


Goslar-Clausthal-Zellerfeld-map-ads-de.pdf

 

Durch die alte Kaiserstadt Goslar

Da ich wieder einmal – nach Ansicht meiner Frau und frei nach Wilhelm Busch formuliert – „um des Leibes Mitten, die Wölbung überschritten“ habe, wird es Zeit, etwas für die Figur zu tun. Also den Rucksack gepackt und rüstig nach Goslar in die Harzberge gezogen.

Wer mit Bus oder Bahn anreist, beginnt am Bahnhof. Kraftfahrer können eines der Parkhäuser benutzen und folgen dann zunächst der Ausschilderung Markt und danach Kaiserpfalz. Wir gehen am Bahnhof zunächst in östlicher Richtung und schwenken dann auf der Rosentorstraße nach Süden und folgen den Ausschilderungen Markt Kaiserpfalz. Vorbei am Hotel Achtermann und dem Kloster Neuwerk passieren wir die Jakobikirche und gelangen zum Marktplatz.
 
Unterwegs haben wir Gelegenheit, die schönen und leider auch die weniger schönen restaurierten Fachwerkbauten zu betrachten. Dabei müssen wir auch an dem Gebäude eines Kaufhauskonzernes vorbei, der hier ein modernes Bauwerk von geradezu abscheulicher Geschmacklosigkeit inmitten der historischen Altstadt errichtet hat.
 
Über Geschmack, läßt es sich ja bekanntlich nicht streiten. Der Eine ist gerne Schokolade und der Andere lieber braune Seife oder wie das hier im Norden heißt: “Watt dem enen sin Uhl ‑ ist dem annern sin Nachtigall”. Und so bleibt uns nur das Erstaunen darüber, was menschliche Einfallslosigkeit so alles anrichten kann.
 
Der Marktplatz hingegen bildet ein wunderschönes Ensemble. Im Westen das Rathaus, dahinter die Stadtkirche, an der Südseite das Kaiserworth ‑ ein ehemaliges Repräsentationsgebäude der Goslarer Kaufmannschaft ‑ das ganze umsäumt von Fachwerkhäusern und in der Mitte der Brunnen mit dem Reichsadler, als Zeichen der Reichsunmittelbarkeit.
 
 

“Auf die Berge will ich steigen ...”

 
 
Wir folgen der Marktkirchstraße ‑ südlich der Kirche ‑ in westlicher Richtung und sehen vor uns das Brusttuch, eines der schönsten Goslarer Fachwerkhäuser, mit seinen Schnitzereien. Besonders interessant hier: die Butterhanne ‑ eine Magd, die mit der einen Hand buttert und sich mit der anderen Hand, bei hochgehobenen Rock, am Allerwertesten kratzt. Ein etwas derber norddeutscher Humor, der mir allerdings gut gefällt.
 
Nun nach links in den Hohen Weg einbiegen und am ehem. Hospital Zum Heiligen Kreuz vorbei in südlicher Richtung. Vor uns, gegenüber der Straßeneinmündung, sehen wir die Vorhalle der 1820 abgerissenen Stiftskirche. Halbrechts erhebt sich nun die Kaiserpfalz. Um es gleich vorweg zu sagen, es ist kein Original, sondern ein mehr oder weniger gelungener historisierender Rekonstruktionsversuch des 19. Jahrhunderts. Besonders die neoromanischen Innenausmalungen des sogenannten Kaisersaals ‑ ich warte jedesmal darauf, das hier gleich die Walküren vorbeireiten ...
 
Auf der Straße Kaiserbleek in die Neue Straße und links in die Bergstraße an der Klauskapelle vorbei aus der Altstadt heraus und über den Claustorwall in den Stadtteil Rammelsberg.
 
Auf die Berge will ich steigen, wo die dunklen Tannen ragen ..., schrieb Heinrich Heine in einem Gedicht zu seiner Harzreise ‑ und da wir nun auf seinen Pfaden wandeln, gehen mir diese Zeilen durch den Kopf. Seine “Harzreise” ist immer noch ein gern gelesener Reiseklassiker, der sich auch heute noch “nachwandern” lässt. Und wenn heute im Harz keine Herdenglocken mehr läuten oder Mädchen mit Körben voll Finken und Kanarien zwitschernd zum Markt nach Goslar ziehen, dann muss man eben selber pfeifen ...
 
Wir folgen der Ausschilderung Schalke ‑ Auerhahn, ein rotes Dreieck auf weißem Grund, auf der Rammelsberger Straße bis zum Altersheim und biegen hier rechts ab. Geradeaus geht es weiter zum Weltkulturerbe Rammelsberg. Hier gab es die wohl weltweit größten Erzvorkommen und es ist kein anderes Bergwerk bekannt, das über mehr als 1.000 Jahre hindurch kontinuierlich in Betrieb war: 968 erstmals urkundlich erwähnt, war es bis zum 30. Juni 1988 um 13.37 Uhr in Betrieb. Nachweislich wurden 30 Mio. Tonnen Erz gefördert, 60% des gesamten Harzer Silbers. Eigentlich ein Frevel, das Museum & Besucherbergwerk im wahrsten Wortsinne links liegen zu lassen, doch für heute haben wir noch einen weiten Weg vor uns ‑ und aufgeschoben muss ja nicht aufgehoben sein.
 
Wir jedoch gehen, wie schon gesagt, rechts ab ‑ immer dem roten Dreieck nach ‑ und lassen mit den Gebäuden des Altersheimes die Stadt Goslar hinter uns und wandern an dem Wald entlang über grüne Wiesen ständig bergauf. Nach rechts geht der Blick zum Petersberg ‑ dem zweiten großen Erzvorkommen ‑ und nach links zum Rammelsberg. Vor uns die Harzer Höhen und hinter uns schauen wir auf die Stadt Goslar herunter. Die Sonne scheint, weiße Wolken segeln über den Himmel und ein frischer Wind kühlt die schwitzende Stirn ‑ einfach herrlich.
 
Am Waldrand dann eine Bank. Noch eine kurze Rast, ein Schluck Mineralwasser, noch einmal in das Harzvorland geschaut und dem Pfad in den Wald hinein folgen.
 
 

Zur schönen Aussicht

 

Nun durch dichten Fichtenwald auf schmalem Pfad ständig bergauf gewandert Das haben Berge so an sich, dass es auf einer Seite immer bergauf geht ‑ und wie die Erfahrung lehrt ‑ es ist immer die falsche Seite. Aber freuen wir uns, es geht auch wieder bergab (meistens jedenfalls). Nach einiger Zeit treffen wir auf einen Forstweg, diesen nach rechts und? ... weiter bergauf!

Der Weg führt an einem Hang oberhalb des Gosetals entlang und bietet immer wieder herrliche Ausblicke nach rechts über die Harzer Berge. Durch den Borkenkäfer und anderen Kalamitäten hat sich ein richtig schöner Panoramaweg entwickelt ‑ es ist kein Schaden so groß, als dass nicht doch ein Vorteil dabei wäre ‑ und wenn es bloß eine schöne Aussicht ist. An den lichten Stellen im Wald blühen Fingerhut und Weidenröschen und am Wegrand steht der seltene und streng geschützte Rippenfarn (Blechnum spicant). Nach ca. 7 km, von denen wir den letzten auf Asphalt zurücklegen, erreichen wir dann die Schalke. Hier befand sich bis vor einigen Jahren noch ein Horchposten des französischen Geheimdienstes. Heute ist hier alles wieder renaturiert.
 
Das war schon eine richtige Spionage‑Ecke: Auf der Schalke die Franzosen, auf dem Wurmberg die Amerikaner, die Sowjets auf dem Brocken, gemeinsam mit der Stasi und der NVA, die Briten auf dem Stöberhai und mitten drin auf dem Torfhaus lauschte dann der BND. Jeder wollte von jedem alles wissen ‑ und hat doch nichts gewusst. Auch noch nach dem Fall der DDR. Sogar die Kameraden von der ex‑NVA machten am 3. Oktober 1990 in Bundeswehruniform weiter. Das hat dann noch zwei Tage gedauert, bis es einer merkte, das es da eine Einheit gab, die sich selber ausspionierte!
 
Jetzt jedoch ist alles friedlich und vorbei. Gras und blühende Wildstauden bedecken die Fläche, Insekten summen, Grillen zirpen, eine Zauneidechse sonnt sich auf einem Stein und nur noch eine Schutzhütte und ein Aussichtsturm, der fantastische Ausblicke in allen Himmelsrichtungen gewährt, befinden sich auf diesem Platz. Weit geht der Blick über dunkle Wälder und blaue Bergrücken, bis hin zum Brocken.
 
 

Durch das Oberharzer Wasserregal

 

Hier auf der Schalke haben wir den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht, von nun an geht es bergab. Wir verlassen den Platz an seiner Südostseite und folgen der Markierung mit dem blauen Punkt auf weißem Grund in Richtung Clausthal‑Zellerfeld. Noch einmal ein herrlicher Blick zum Brocken, dann nimmt uns dichter Fichtenwald auf.
 
Am Ende dieses Weges, an einer Kreuzung, nach rechts und gleich wieder links ‑ immer dem blauen Punkt und der Ausschilderung Clausthal‑ Zellerfeld folgend. Nach ca. 100 m überqueren wir einen Bach, eigentlich nichts besonderes, der Verlauf parallel zum Hang und seine Ausmauerung verraten uns jedoch, dass es sich um einen Graben handelt, der das Wasser sammelt und zu den Teichen leitet. Wir werden noch einige dieser Gräben sehen. Sie gehören gemeinsam mit den Teichen zum Weltkulturerbe des Oberharzer Wasserregals. Über kilometerlange Gräben und z.T. gewaltige Dämmen wird das Wasser in die Teiche geführt, was der Energiegewinnung für die Bergwerke diente.
 
Das Wasser trieb die Kehrräder und die Harzer Fahrkunst an, erzeugte mittels Hydrokompressoren Pressluft für die Hämmer und wurde über den Ernst‑August‑Stollen ‑ ein schiffbarer Wasserlösestollen ‑ bis nach Gittelde am westlichen Harzrand abgeleitet. Noch heute wird auf diese Weise z.B. im Schacht Samson in St. Andreasberg elektrische Energie erzeugt.
 
Nach wenigen Metern rechts dann der Zankwieser Teich, einer von den vielen (66!) Teichen um Clausthal‑Zellerfeld. Hier verlässt unser Wanderweg den Forstweg nach rechts (Auf die blaue Markierung achten) auf einen mit tiefen Fahrspuren versehenen, oft feuchten Holzabfuhrweg und erreicht den Kiefelhölzerteich. Hier zunächst geradeaus und dann nach Süden über den Damm und weiter ein kurzes Stück bergauf aus dem Wald heraus.
 
Vor uns die Wiesen der Oberharzer Hochfläche, auf denen die Rinder der Bergbauern weiden. Leider handelt es sich nicht mehr um das rotbraune Harzer Höhenvieh, von dem es nur noch zwei kleine Herden gibt, sondern um schwarzbunte Holsten‑Frisian, auch tragen sie keine Glocken mehr. Das fröhliche Geläut von dem Heinrich Heine schrieb ‑ für immer verstummt.
 
 

 ... und weiter nach Zellerfeld

 

Rechts unter uns in einer kleinen Senke der Schröterbacher Teich und auf den Höhen die Bauernhöfe. Von Nordwesten her ziehen dunkle, regenschwangere Wolken heran und verkünden einen kräftigen Schauer. Der Wind frischt auf, schnell den Rucksack herunter, die Regensachen ausgepackt und angezogen. Ein kurzer kräftiger Schauer ... und das war es. Rein in die Klamotten ‑ raus aus den Klamotten.
 
Weiter auf den nun asphaltierten Weg in westlicher Richtung, vorbei an den wiederkäuenden und muhenden Rindern bis zum Ortseingang der jungen Universitäts‑ und alten Bergstadt Clausthal‑Zellerfeld. Wir überqueren die Schulenburger Straße, folgen selbiger auf der linken Seite bis zum Pulverweg, hier links und gleich wieder rechts in den Zellweg einbiegen, durch den OT Zellerfeld und an der Rückseite der St. Salvatorkirche vorbei immer bergab bis zu dem ehemaligen Bahnhof und jetzigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Von hier aus können wir die Rückreise nach Goslar antreten.
 
Wer mag, geht vorher noch die Straße bergauf nach Clausthal und besichtigt die Marktkirche "zum heiligen Geist", ihres Zeichens die größte Holzkirche Deutschlands. Einen Besuch lohnen außerdem das Geburtshaus Robert Kochs, die Clausthaler Münze, die Rosenhöfer Radstube oder die Bergapotheke.
 
 
 
 

Nützliche Hinweise und Informationen



 Anreise:
 
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit der Bahn zum Ausgangspunkt (Bahnhof Goslar)
Rückfahrt: Bus 830/831
 
Start und Ziel liegen im Tarifgebiet des VRB. Schönes Wochenende‑ und Niedersachsenticket werden anerkann
 
Mit dem Auto
Aus Richtung Hannover oder Kassel: A 7 Ausfahrt Rhüden und weiter B 82/ B 6 nach Goslar.
 
Aus Braunschweig: A 39 bis Dreieck Vienenburg weiter über B 6 bis Goslar
 
Aus Magdeburg: B 81 bis Blankenburg weiter auf B 6 bis Goslar
 
Kartenmaterial:
Naturpark Harz Blatt 1
1:50000
GeoMap
ISBN 3‑933671‑08‑6
 


Einkehr, Verpflegung und Unterkunft
 
 
Inh.: Irene und Ernst Langenstraßen
Auerhahn 2, 38644 Goslar
Tel.: .0 53 25 / 23 69
Fax: 0 53 25 / 33 34
Seit 01.03.2013 geschlossen!!!
 
 
In Goslar bzw. in Clausthal‑Zellerfeld stehen Gaststätten und Quartiere in verschiedenen Preislagen zur Verfügung
 
 
 

Sonstiges
Reinhard schrieb am 03.08.2008
Hallo Uwe,
gestern bin ich den Weg nachgelaufen, aber aus bestimmten Gründen"rückwärts".Um 09:30 Uhr war ich mit dem Bus in Clausthal und wanderte bei kühl‑feuchter, nach Harz duftender Luft in 2 Stunden bis zur Volksbankhütte. Nach 'ner halben Stunde Pause ging's dann weiter Richtung Goslar. Vor Goslar bin ich aber nicht links abgebogen, um direkt in den Ort rein zu laufen, sondern bin geradeaus weiter zum Bergbaumuseum Rammelsberg, um dort an einer Führung durch den Roederstollen teilzunehmen.
Anschließend gab's im Museumsrestaurant was zu essen (und natürlichzu trinken), und danach ging's am Waldrand entlang zielwärts. Im Ort hast Du ja eine wirklich reizende Strecke ausgesucht; in der "City" war es dann aber leider nix mit dem Anschauen von Sehenswürdigkeiten,denn es fand gerade ein ausgedehnter Markt mit Erzeugnissen desKunsthandwerks statt. Um 16:24 Uhr fuhr ich dann mit dem Zug nach
Hannover zurück.
Es war eine wirklich schöne Wanderung. Falls es Dich interessierensollte, füge ich einen vom Programm "NHTopTrans" optimierten Track(ca 150 statt 1200 Trackpunkte) bei.
Schöne Grüße
Reinhard

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt! Jede urheberrechtsrelevante Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Nachahmungen, und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Angaben wurden von sorgfältig recherchiert und auf den aktuellen Stand gebracht, sowie auf Stimmigkeit überprüft. Da diese Informationen wie angeboten verfügbar gemacht werden, übernehme ich keine Haftung für jegliche Art von Verlust, Verletzung oder Unannehmlichkeit, die durch diese Informationen hervorgerufen werden könnten.
Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Copyright Uwe Barthauer Braunschweig
 

"...und das bin ich"

Sitemap

⇒Bad Harzburg - Molkenhaus - Plessenburg - Ilsenburg

letzte Änderung: 28.01.2016
Alle Vergleiche powered by TARIFCHECK24 GmbH Zollstr. 11b 21465 Wentorf bei Hamburg Tel. 040 - 73098