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Bad Helmstedt - Walbeck - Bad Helmstedt (Zur Ruine der Stiftskirche St. Marien)

Autor: Uwe Barthauer
Erstellt: 09.03.2013

Bad Helmstedt - Walbeck - Bad Helmstedt

Durch den Lappwald zur Ruine der Stiftskirche St. Marien  


Wandern
 
Dauer Jahreszeit Straße
5 - 7 Std. 15 km März - Okt. 5%
 
Piste/Feldweg Wanderweg -pfad
15% 80%
Schwierigkeit Höhendifferenz Frequentierung
Unterkunft Sonstiges
Leicht niedrig niedrig
privat
Überwiegend schattige Waldwanderung für Kinder geeignet

 
»Legende« 

Der Lappwald, ein kleiner Höhenzug, östlich von Helmstedt, zwischen den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - 20 km lang,  5 km breit und 211m hoch - bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten die, durch die Deutsche Teilung bedingt, lange Zeit unerreichbar waren. Dazu gehört auch die ottonische Kirchenruine des  ehem. Stiftes St. Marien. Eine überwiegend schattige Waldwanderung durch die herrlichen Laubwälder des Lappwaldes und des Naturschutzgebietes "Lappwälder Bachtäler" mit vielen historischen  Attraktionen.


 
Zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Brunnentheater Bad Helmstedt
  • Ehrenmal Bad Helmstedt
  • Im Lappwald
  • Blick zur Kirchenruine
  • Westwerk Ruine St. Marien
  • Stiftskirche St. Marien
  • Renaissance Fachwerkhaus Walbeck
  • Blick über Walbeck zum Lappwald
  • Sühnekreuz
  • Grab Ulrich Mühe
  • Ehem. Wachturm
  • Walbecker Warte II
  • Walbecker Warte I

Wanderkarte


Bad-Helmstedt - Walbeck - Bad-Helmstedt - map-ads-de.pdf

Durch den Lappwald


Der Lappwald ist ein kleiner Höhenzug der eigentlich eine Mulde ist, die horstartig stehen blieb als sich die Umgebung senkte. Und so sieht er heute aus wie ein Gebirge und ist doch  mit seinen 211m bloß ein Hügel. Aber was für einer! Bedeckt überwiegend mit Laubwald, vor allem von Buchen-Hainsimsen-, Eichen- Hainbuchenwäldern und an den feuchten Standorten von Erlen- Eschenwäldern, von zahlreichen kleinen Bachtälern  durchzogen und umgeben von vielen historischen Bauten. Über 40 Jahre im Schatten der innerdeutschen Grenze konnten sich Tier- und Pflanzenwelt ungestört entwickeln und so sind hier auch diverse Naturschutzgebiete wie die "Lappwälder Bachtäler" ausgewiesen

Bad Helmstedt, heute ein Stadteil von Helmstedt, war einst ein beliebter Kurort. 1755 wurden hier schwefel- und kohlensaure Quellen entdeckt und bald entwickelte sich - vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - ein reger Badebetrieb. 1894 versiegten die Quellen vermutlich auf Grund des fortschreitenden Braunkohleabbaus. Heute gibt es hier keine Kureinrichtungen mehr. Nur noch das Brunnentheater, ein sehr gepflegter Kurpark und alte Villen erinnern an den früheren Badebetrieb. Allerdings ist Bad Helmstedt heute noch anerkannter Erholungsort.

Wir beginnen unsere Wanderung auf dem großen Parkplatz vor dem Brunnentheater. An der NW-Seite des Parkplatzes, bei der dort sich befindenden Schutzhütte, den Weg nach Norden aufwärts nehmen.  An der Wegekreuzung nach links und gleich wieder rechts über die frühere innerdeutsche Grenze. Jetzt auf dem alten Kolonnenweg rechts nach Osten. Nach ca. 100m den Forstweg halb links abwärts.

Wir wandern hier auf leicht abschüssigem Weg durch das ehemalige Sperrgebiet der DDR in nördlicher Richtung durch einen wunderschönen Buchenwald. Beim dritten Weg links vor dem Bach nach Norden bis zum Waldrand. Wer den Abzweig verpasst hat, keine Angst. In diesem Fall bis zum Waldrand und den Weg links am Wald aufwärts und nach einem leichten Linksknick den nächsten Weg rechts.

Jetzt sind wir wieder auf unserem Wanderweg, der zunächst über freies Feld führt, um danach zwischen Waldrand und einem Gehölz weiter nach Norden zu wandern. Hinter dem Wald ist rechts, auf der anderen Talseite, die Ruine der Stiftskirche St. Marien zu sehen. Etwa 100m nach dem Waldrand den Weg nach rechts abwärts gehen und dann wieder  links nach Walbeck hinein. Im Gegensatz zu Niedersachsen, sind die Wanderwege in Sachsen-Anhalt nicht markiert und es fehlen jegliche Wegweiser.

In Walbeck, hinter der Kreuzung, links ein liebevoll restauriertes Fachwerkhaus der Renaissance von 1614. Ein wirklich impossantes Gebäude.  An der Kreuzung rechts in die Straße "Damm", die in einem weiten Linksbogen zur Straße "Brauhof" führt. hier nach rechts, an der freiwilligen Feuerwehr vorbei, über die Aller und an der Straße "Stift" nach links bergauf.  Oben weist uns ein Schild "Straße der Romanik" nach rechts über die Straße.
 

Von der Stiftsruine zur früheren Grenze


Auf der anderen Straßenseite zwei Hinweistafeln die über die Geschichte des Stiftes St. Marien informieren. Wir nehmen den Weg rechts nach Süden aufwärts. Vor uns die gewaltige Ruine der Stiftskirche. 942 von Graf Lothar II. als Sühneleistung errichtet. Weil Lothar II. an den Verschwörungen des Bayernherzogs Heinrich gegen seinen Bruder Otto I. beteiligt war, wurden alle seine Lehen eingezogen, so das ihm nur noch der Allodialbesitz um Walbeck verblieb. Als Sühne mußte er das Stift errichten und die Kirche so in seine Burg einbauen, dass ihr militärischer Wert stark gemindert war. 

1219 nach dem Aussterben der Walbecker Grafen wurden Burg und Kirche teilweise zerstört. Der bekannteste Vertreter der Walbecker Grafen ist der Enkel Lothar II. - Bischof Thietmar von Merseburg, der Chronist der Ottonen. 1229 wurde das Kanonikerstift St. Marien dem Halberstädter Kapitel unterstellt und 1591 reformiert. In der Folgezeit verfiel die Kirche immer mehr und 1731 soll schon seit mehreren Jahren kein Gottesdiernst mehr stattgefunden haben. 1810 wurde das Stift dann unter Jerome von Westfalen entgültig aufgelöst. 1908 stürzte die nördliche Arkadenwand ein

Die Kirchenglocke, die aus der Gründungszeit stammt und im Fundus des Bodemuseums in Berlin aufbewahrt wird, gehört neben der Bad Hersfelder Glocke zu den ältesten Kirchenglocken Deutschlands und ist wahrscheinlich sogar die ältere Glocke.

Nach 1945 im Sperrgebiet geriet die Stiftskirche ins Abseits und versank in den Dornröschenschlaf um dann, 1998 nach einer Baudokumentierung und Neubewertung der Funde durch die TU Berlin und erfolgter Restaurierung, wieder zu erwachen.

Zahlreich Bänke laden hier zum Sitzen ein und weit geht der Blick nach Westen über Walbeck hinüber zu den Höhen des Lappwaldes und nichts mehr verrät, dass nur wenige Meter hinter dem Waldrand einst die Welt zu Ende war.

Den Weg wieder zurück, steht links am Wegesrand zwischen alten Zaunpfosten ein verwittertes Sühnekreuz. Wieso, weshalb, warum??? Sicherlich war es eine Bluttat, vergangen, vergessen - keiner weiß es mehr; im Strudel der Zeit versunken und so entstand die Sage vom Steinernen Kreuz

Unten an der Kreuzung über die Straße und die Bergstraße bis zum Markt bergab. Hier nach links in die Steinstraße und die zweite Straße, die Helmstedter Straße, rechts ab. Vor dem Friedhof dann ein kleiner Abstecher nach links und auf dem Friedhof aufwärts bis zur Kapelle. Nun nach links und rechts ist das Grab des Charakterdarstellers Ulrich Mühe. Einer seiner Filme und sein letzter war: "Das Leben der Anderen", in dem er die Rolle des Stasioffiziers Wiesler spielte und der mit dem bayrischen Filmpreis und einem Oscar ausgezeichnet wurde. Den letzten, den er gemeinsam mit seiner 2012 verstorbenen Ehefrau Susanne Lothar drehte - "Nemesis" - kommt erst jetzt - post mortem - zur Aufführung.

Wieder an der Straße zurück nach links und bergauf. Rechts rauscht die Riole, einer der Lappwälder Bäche, zu Tal um hier in Walbeck in  die Aller zu münden. Rechts und links schweift der Blick über Felder und Wiesen zu den bewaldeten Höhen des Lappwaldes. Am Waldrand rechter Hand ein wunderschöner Buchenwald in dem die silbernen Stämme wie Säulen in den Himmel ragen und einen gewaltigen Dom bilden. "Wer hat dich denn du schöner Wald..."
 
 

...und weiter über die Walbecker Warten


Noch etwa 150m und die Waldesherrlicheit wird jäh unterbrochen. Rechts die zu einem Denkmal umgestalteten Teile eines Wachturmes der DDR-Grenztruppen. Wie heißt es doch bei Brecht in seinem Moldaulied. .... "es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt". 

Wie ich so dieses Kunstwerk betrachte, gehen mir diese Zeilen durch den Sinn. Hätten die Mächtigen doch ihren Brecht gelesen und hätten sie ihn auch noch verstanden, dann wäre uns viel Leid erspart geblieben. Wie heißt es doch gleich: "Zeit war - Zeit ist - Zeit ist vorbei". Und diese Zeiten sind zum Glück Vergangenheit.

Sind wir bisher auf einer alten gepflasterten Landstraße dahin gewandert, so haben wir nach Überschreiten der Landesgrenze nur noch einen Forstweg vor uns. Nach ca. 1,5km dann links die erste der Walbecker Warten, die Warte II. Eine der Warten der Helmstedter Landwehr. Deutlich sind Wall und Graben zu erkennen, mit der einst die Gemarkung vor Eindringlingen geschützt wurde. Einst wuchsen auf den Wällen Hecken aus Hainbuchen und Weißdorn, die von Heckenbindern miteinander verflochten wurden und ein nur schwer zu überwindendes Hindernis bildeten. Schaut man sich das Turmfenster genauer an, sieht man das der Turm jetzt von Zwergen bewohnt wird.

Weiter geht es durch Mischwaldbestände in südwestlicher Richtung, immer entlang der Landwehr. Ungefähr nach nochmals 1,5km sehen wir den Turmstumpf der Walbecker Warte I. Hier am Kreuzweg den Weg nach Süden nehmen und nach ca. 300m die Landstraße überqueren und nach ungefähr 200m Metern ein kurzer Schlenker rechts und gleich wieder links immer in südöstlicher Richtung. Den Zweiten links abgehenden Weg  nehmen, die Straße queren und auf der anderen Seite geradeaus weiter. Nach etwa 200 Metern stehen wir wieder an unserem Ausgangspunkt.
 

Nützliche Hinweise und Informationen



Anreise

Mit dem PKW:
A2 bis Helmstedt Zentrum und der Ausschilderung Bad Helmstedt - Beendorf nach. In  Bad Helmstedt dem Wegweiser Theater folgen.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Mit dem Zug bis Helmstedt und weiter mit Bus 399 Richtung Clarabad/Beensdorf. Niedersachsenticket und Schönes Wochenende werden anerkannt.

Auskunft hier

Kartenmaterial

L 3732 Helmstedt
Landesvermessung Niedersachsen

KV-Plan Helmstedt/Lappwald
Kommunalverlag Hans Tacken Essen
ISBN: 978-89641-352-9

Waldbestattung Lappwald
Braunschweiger Straße 33
38350 Helmstedt
05331424025


 

 
Einkehr, Verpflegung und Unterkunft


Hotel - Restaurant Quellenhof
Brunnenweg 19
38350 Bad Helmstedt
Tel.: 05351-1240
Fax: 05351-7116
E-mail information@quellenhof.de

 


In Helmstedt stehen Quartiere verschiedener Kategorien zur Verfügung 
 
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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
 © Uwe Barthauer Braunschweig
 

letzte Änderung: 06.03.2017
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