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Altmarkrundkurs Teil VII ("Von Kloster Neuendorf nach Zichtau")

Autor: »Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 24.11.2009 

                

Altmarkrundkurs Teil VII: Von Kloster Neuendorf nach Zichtau

"... steige hoch, du roter Adler ..."    


Radfahren

Fernradwanderweg

Altmarkrundkurs
 
Dauer  Jahreszeit 
Straß Piste/Feldweg 
5-6 Std.  27 km   April - Okt.
   60%        40%

Schwierigkeit  

Höhendifferenz 

Frequentierung

 Unterkunft

Sonstiges
     leicht        niederig        niederig
Zelt/Privat für Kinder geeignet

»Legende
 
Von Kloster Neuendorf aus, mit der Zisterzienser‑Kirche und ihren gotischen Fenstern, fahren wir nach Gardelegen, zum Lenne'schen Schlosspark in Weteritz und zum romantischen Mühlengehöft der Reichwaldschen Wassermühle nach Wiepke, besichtigen dieselbe und werfen einen Blick auf das Storchennest, bevor wir in Zichtau in einem gepflegtem Ferienpark unser Zelt aufbauen.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Klosterkirche Neuendorf
  • In der Kirche
  • Gotische Fenster
  • Stadttor Gardelegen
  • Roland Gardelegen
  • Wallanlagen Gardelegen
  • Schlosspark Weteritz
  • Wassermühle Wiepke
  • Wasserrad Wiepke

 

Radwanderkarte


Jaevenitz-Zichtau-map-ads-de1.pdf

 

Von Kloster Neuendorf nach Gardelegen

 

Nachdem die vorherige Etappe ‑ wegen des nicht mehr existierenden Campingplatzes in Lüderitz ‑ unfreiwillig etwas länger als geplant wurde, haben wir heute Zeit und drehen eine "ruhige Runde", bevor wir in Zichtau auf dem dortigen Campingplatz Station machen. In Gardelegen genießen wir das Garley‑Bier sowie die Sehenswürdigkeiten zwischen Kloster Neuendorf und Zichtau. Und derer sind es mehr als genug.
 
An einem sonnigen Sommermorgen ‑ der schon die Glut des kommenden Tages erahnen lässt ‑ in die Kühle einer Backsteinkirche eintreten, wenn das morgendliche Streiflicht durch bunte Glasfenster fällt und das Kirchenschiff seine Konturen in dem Spiel von Licht und Schatten zeigt, ist ‑ so glaube ich, ein gelungener Start in den Tag. So auch hier in der Neuendorfer Klosterkirche, deren gotische Kirchenfenster in dem schräg einfallendem Morgenlicht ihre ganze Pracht entfalten. Man muss nicht unbedingt ein gläubiger Mensch sein, um auf den harten Kirchenbänken Platz nehmen und die Bilder und die Stille genießen zu können. Es ist schon beeindruckend, zu sehen, zu welchem handwerklichem Können unsere Altvorderen fähig waren ‑ und es ist so manche kleine Dorfkirche irgendwo in der Provinz, die mit kulturhistorischen Schätzen aufwarten kann, die denen großer, berühmter Kirchen in nichts nachstehen. (Auch wenn hier in den protestantischen Ländern viel durch die Bilderstürmerei der Reformation vernichtet worden ist.)
 
Zum Ensemble des Klosters gehört auch ein Speicher auf der anderen Straßenseite, genannt das Hundeloch. Oben im Fachwerkteil wurden die Lebensmittel verwahrt und unten in dem Feldsteinunterbau die Gefangenen. Das heißt, es diente als Gefängnis, und noch bis ins neunzehnte Jahrhundert wurden hier "Landstreicher und sonstige Elemente" eingesperrt.
 
Unser Altmarkrundkurs verlässt Neuendorf in südwestlicher Richtung auf die Colbitz‑Letzlinger Heide zu ‑ und umgeht Gardelegen in einem weiten Bogen. Warum um alles in der Welt haben die Planer des Altmarkrundkurses seinerzeit die Städte außen vor gelassen? Vielleicht haben sie sich ihrer geschämt, damals ‑ gleich nach der Wende. Grau und vom morbiden Charme des Verfalls geprägt wäre das ja auch verständlich gewesen. Aber heute ‑ liebevoll restaurierte Häuser und historische Gebäude, Einkaufspassagen, Straßencafés und Biergärten; und alles sauber und propper.
 
Es wäre wirklich sehr schade, sie unbeachtet am Wegesrand liegen zu lassen. Wer Land und Leute kennen lernen möchte, der muss auch zu den Leuten hingehen und darf sie nicht “links liegen lassen”. Sonst ist man zwar “da gewesen”, aber kennen gelernt ‑ kennen gelernt hat man gar nichts. Darum fahren wir auf dem Radweg entlang der B 188 nach Gardelegen hinein. 
 
 

In Gardelegen

  

Nach Abzweig der Ortsumgeheung B 188n geht es weiter geradeaus auf der “Stendaler Chaussee”, die später in die “Stendaler Straße” und in die “Rudolf‑Breitscheid‑Straße” übergeht. An den Wallanlagen, hier bei den Resten des Stendaler Tores nach rechts in die parkartigen Wallanlagen einbiegen. Gardelegen besitzt wundervolle gepflegte Grünanlagen mit Gehölz‑ und Staudenrabatten, Teichen und herrlichen alten Bäumen. Es ist ein Genuss, die Stadt auf ihren alten Befestigunsanlagen zu umrunden.
 
Vielleicht machen Sie ja auch einen kleinen Abstecher und besuchen auf dem Friedhof das Grab von Gardelegens bekanntestem Sohn. Behalten Sie dabei aber Ihren Überzieher im Auge und wenn er weg sein sollte, machen Sie sich nichts daraus: In fünfzig Jahren ist alles vorbei. Na, haben Sie ihn erkannt? Jawohl, er ist es ‑ Otto Reutter (1870 ‑ 1931) hier geboren und begraben. Viele seiner Couplets gehören noch heute zu den Evergreens.
 
Nachdem wir Gardelegen halb umrundet haben, stehen wir vor dem Salzwedeler Tor ‑ das einzige erhalten gebliebene der drei Stadttore ‑ mit seinen gewaltigen Batterietürmen. Welch ein trutziges bürgerliches Selbstbewußtsein muß hier geherrscht haben, eine Dokumentation der Wehrhaftigkeit. Allerdings war Gardelegen früher auch eine wohlhabende Stadt, reich geworden durch seine Braukunst, und so zeigt noch heute das Stadtwappen in einem gespaltenen Schild rechts den halben Brandenburger Adler und links drei Hopfenstangen (Wappen werden immer aus der Sicht des Trägers beschrieben). Noch heute wird hier das Garley Bier gebraut.
 
Hinter dem Tor dann die Tormühle, die ehemals von der Milde angetrieben wurde. Wir überqueren hier an der Ampel die Straße und setzen unsere Tour auf der anderen Seite fort. Wir fahren über die "Thälmannstraße" mit den Resten des Magdeburger Tors und weiter auf dem Wall bis wieder zur "Rudolf‑Breitscheid‑Straße". Jetzt nach links und hinein in die Innenstadt. Vor uns das Rathaus mit seinen Arkaden und dem Roland. Direkt dem Roland gegenüber können wir in dem Biergarten des “Café am Rathaus” Platz nehmen und ein Garley Bier (die älteste Biermarke der Welt) aus der hiesigen Brauerei probieren.
 
Nach dem wir uns gestärkt haben, radeln wir am Rathausplatz in nordwestlicher Richtung bis zum "Goldenen Ring" biegen hier links und gleich wieder rechts ab bis zur "Salzwedeler Torstraße", wieder rechts und fahren am Tor vorbei aus der Altstadt hinaus. Die Straße heißt jetzt "Vor dem Salzwedeler Tor", und auf dieser bzw. Dem Radweg bis zum Kreisel. Der Radweg führt links an dem Kreisel vorbei und geradeaus weiter in die "Weteritzer Landstraße" und aus Gardelegen hinaus
 
 

 Der Schlosspark Weteritz

 
 
Die Straße ist die alte B188, an deren linker Seite ein Radweg entlang führt; und zwar in einigem Abstand zur Straße, sodass sich die Belästigung durch den Autoverkehr in Grenzen hält. Nach ca. 1200 m wird die Einmündung der B 188n (Ortumfahrung Gardelegen) erreicht und nach weiteren 1,5 km erreichen wir dann die Ortseinfahrt von Weteritz. Im Ort nach links bergab in die Straße “Am Park” und gleich die nächste Parkzufahrt nehmen.
 
Der Park ist eine Schöpfung Peter Josef Lenne d.J. Wir können und dürfen zwar duch den Park fahren, besser ist es allerdings zu schieben. So können wir die Details besser wahr nehmen. Typisch für Lenne sind die Blickachsen, die den Ausblick in die freie Landschaft erlauben. Leider sind sie nur noch unvollkommen vorhanden ‑ durch die unüberlegte und unfachmännische Auswahl und Anpflanzung irgendwelcher Gehölze. So nach dem Motto: " Da haben wir noch einen Baum und da ist auch noch Platz". Auch sind die für “englische Landschaftsparks” typischen architektonischen Bestandsteile nicht mehr vorhanden.
 
Doch da wo der Blick in die freie Landschaft übergeht, und keiner so recht weiß wo der Park aufhört und die Wiesen und Felder anfangen, ist das Lenne’sche Konzept noch zu erkennen. Die Wegeführung trägt deutlich seine Handschrift. Kurzum ein Englischer Landschaftspark wie er im Buche steht, der allerdings der fachlich korrekten Restaurierung bedarf um seinen Glanz wieder zu gewinnen. Wobei die wichtigsten Werkzeuge Axt und Kettensäge sein dürften. Vielleicht spricht es ja auch einmal bei den politisch Verantwortlichen herum, das auch historische Garten‑ und Parkanlagen Baudenkmäler sind, die es sich lohnt zu erhalten und sie nicht nur als Reserveflächen für sonstige bauliche Vorhaben sieht.
 
Wir verlassen Weteritz in Richtung Norden, fahren auf der Brücke über die B 188 und biegen hinter den Gebäuden der Agrargenossenschaft rechts ab und auf das Wäldchen zu. Wir sind jetzt wieder auf dem Rundkurs. Vor dem Wald links, am Waldrand entlang und den nächsten Weg wieder rechts. Nun zur B 188 und an ihr etwa 100m lang radeln. Danach dem Altmarkrundkurs über die leichte Anhöhe nach Norden auf den Wald zu folgen. Durch den Wald hindurch und am Waldausgang nach rechts Ackendorf zu. In Ackendorf die B 71 überqueren und auf dem Radweg längs der Bundesstraße Richtung Salzwedel.
 
 

 ...und die Reichwaldsche Wassermühle

 

Der Radweg verläuft innerhalb der Ortschaften unmittelbar an der stark befahrenen Bundesstraße (hier macht sich das fehlende Teilstück der A14 Magdeburg ‑ Salzwedel bemerkbar) und außerhalb etwas räumlich getrennt davon. In Estedt wechselt der Radweg die Straßenseite. Links von uns ‑ im Westen ‑ befinden sich die überwiegend mit Laub‑ Mischwald bestockten Hell‑ oder Zichtauer Berge, ein Endmoränenzug und mit 160 m ‑ genau 159,9 m ‑ Höhe, die dritthöchste Erhebung der norddeutschen Tiefebene. Allerdings auch mit Steigungen von 12%. Rechts von uns der sogenannte “Kalbesche Werder”. Ein Teil der Altmark der für seine Viehzucht berühmt ist.
 
Vor uns erblicken wir nun Wiepke mit seiner weithin sichtbaren frühromanischen Feldsteinkirche. Am Ortseingang der Ausschilderung nach links folgen. Kurz vor dem Ortsende weist ein kleines Schild nach links in die schmale Gasse zur Wassermühle. Sie wissen doch:”klopfet an und Euch wird aufgetan”. Und falls der gastfreundliche Eigentümer des Anwesens und Vorsitzende des Mühlenvereins zu Hause ist, so gibt es ‑ gegen einen kleinen Obulus ‑ einen Videoblick in das Storchennest und eine äußerst interessante und fachkundige Führung und Vorführung durch die Wiepker Wassermühle, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unverändert geblieben ist, und das Erlebnis “des klapperns der Mühle am rauschenden Bach”.
 
Die Mühle ist mit aller Technik und allem Zubehör ausgestattet, die ein Müller Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts benötigte, und voll funktionsfähig. Besonders an den “Deutschen Mühlentagen” findet hier ein reges Treiben statt. Aber bitte, halten Sie die “bürgerlichen Zeiten” ein. Also nicht "vor dem Aufstehen" oder während der Mittagspause ‑ schließlich bedarf jeder Mensch seiner Ruhe und hat auch einmal etwas anderes zu tun.
 
Nachdem wir uns von der Mühle und ihren freundlichen Besitzern verabschiedet haben, fahren wir unsere Tour in Richtung Westen weiter. In stetem auf und ab geht es in die Hellberge entlang eines Mischwaldes nach Zichtau. In Zichtau der Ausschilderung Ferienpark folgen und hier können wir unser Zelt aufbauen. Der Platz verfügt über erstklassige sanitäre Einrichtungen und bietet auch Bungalows und Zimmer an. Das kalt‑warme Büffet am Abend ist gut und reichhaltig und äußerst preiswert, genauso wie das Frühstücksbüffet mit Kaffee satt. Sollte noch irgendwer irgendwelche Aversionen gegen die “Ossis” haben, der lasse sich von der netten und freundlichen aber resoluten Inhaberin erklären, wie sie zu dem Objekt gekommen ist. Wer danach nicht voller Respekt ist, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

 

 

Nützliche Hinweise und Informationen


Die Länge der Strecken kann jeder Radwanderer natürlich selbst bestimmen. Der Abstand der einzelnen Stationen wurde nur duch den Abstand der Campingplätze bestimmt. Eine andere inviduelle Planung ist möglich.
 
Dieser Abschnitt des Altmarkrunkurses verläuft zu einem erheblichen Teil auf Radwegen neben den Straßen.
 
Generell reicht auf dem Altmarkrundkurs die Qualität der Wegeführung und ihre Oberflächenbeschaffenheit, so wie die Ausschilderung von sehr gut über mäßig bis zu ‑ mit Verlaub gesagt ‑ "saumäßig". Feldsteinpflaster, knöcheltiefe Sand‑ und Schlammwege und rumpelige Betonplatten müssen einkalkuliert werden. die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen machen dieses doch jederzeit wieder wett.

 
 
Anreise:

Mit der Bahn: Bahnstationen Gardelegen und Jävenitz
Strecke Hannover ‑ Stendal
 
Fahrräder werden in Sachsen‑Anhalt in allen Zügen des Nah‑ und Regionalverkehrs kostenlos befördert.
 
Eine Anreise mit dem Pkw ist möglich. Ich empfehle jedoch die Anreise mit der Bahn 
 

Kartenmaterial
 
 
Radwanderkarte Altmark
1:75 000
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 978‑3‑87073‑233‑2
 
 
ADFC‑Radtourenkarte
Nr. 8 1:150 000
Havelland Magdeburger Börde
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 3‑87073‑068‑4
 


Unterkunft:

in Gardelegen stehen Unterkünfte in verschiedenen Kategorien zur Verfügung
 
Campingplatz Ferienpark‑Zichtau
 
Einkehr / Verpflegung:

Im Gegensatz zu anderen Abschnitten des Altmarkrundkurses besteht in allen größeren Orten die Möglichkeit zur Einkehr.
 
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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig

"...und das bin ich"

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letzte Änderung: 01.03.2017
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