Wandervogel Uwes Homepage
Touren & Tips zum Wandern und Radwandern
Altmarkrundkurs Teil IV ('Vom Kamernschen See nach Genthin")

Autor: »Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 25.11.2009
 

AltmarkrundkursTeil IV: Vom Kamernschen See nach Genthin

"... steige hoch, du roter Adler ..."


Radfahren

Fernradwanderweg
Altmarkrundkurs
 
Dauer     Jahreszeit 
Straße  Piste/Feldweg
6‑8 Std.  58 km April - Okt  
   40%         60%

Schwierigkeit

Höhendifferenz

Frequentierung

Unterkunft

Sonstiges 
     leicht        niederig        niederig
Zelt/Privat für Kinder geeignet


»Legende

Durch Kiefer‑ und Mischwald, Felder und Wiesen geht es durch eine sanftwellige Landschaft hin zu der "Persilstadt" Genthin. Kraniche und Störche erwarten uns und wenn wir etwas Glück haben, können wir vielleicht die Großtrappen ‑ die größten flugfähigen Vögel der Welt ‑ beobachten. In der Dorfkirche zu Wust dann die Kattegruft mit den sterblichen Überresten des Hans‑Hermann v. Katte. Ein etwas weniger spektakulärer Abschnitt des Rundkurses, aber dennoch interessant.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Kattegruft Wust
  • Kamernscher See
  • Mahlitzer Heide
  • Schloss Wust
  • Dorfkirche Wust
  • Bootshafen Genthin

 

Radwanderkarte


Kamernscher-See-Genthin-map-ads-de.pdf

 

Vom Kamernschen See nach Klietz

 
Geweckt vom Gesang der Vögel und nach einem einfachen Frühstück aus Müsliriegel und Kaffee (leider gibt es hier keine Möglichkeit, zum Frühstück einzukehren) und dem Abbau der Zelte, geht es mit dem Rad in Richtung Kirche und rechts der Ausschilderung Altmarkrundkurs nach. Der Weg führt auf wassergebundener Decke in stetem auf und ab durch den herrlichen Kiefer‑ Laubmischwald, durchsetzt mit hainartigen Eichenbeständen, der Ober‑ und Mahlitzer Heide nach Mahlitz. Das fahren auf vom Regen durchweichten wassergebunden Decken kann sich ‑ je nach Qualität des Wegebaus ‑ vor allem mit Gepäck ‑ sehr mühsam gestalten. Und da der Rundkurs seiner Zeit von ABM‑Kräften erbaut wurde, ist, so wie hier, der Wegebau nicht immer fachgerecht ausgeführt worden und die Räder sinken in dem weichen Untergrund ein.
 
Wir wollen jedoch nicht klagen, schalten einen Gang zurück und treten etwas kräftiger zu. Schilder auf der rechten Wegseite weisen auf den Truppenübungsplatz Scharlibbe hin, allerdings nur eine kurze Strecke. Der Weg führt immer weiter in südlicher Richtung bis zur Straße Schollene ‑ Klietz. Hier in den Kreisel hinein und gleich wieder rechts raus nach Klietz. Links von uns nun der Truppenübungsplatz Klietzer Heide und tatsächlich begegnen uns immer wieder die nato‑oliv gewandeten Mitglieder der “Bundestrachtengruppe”. Wenn man so bedenkt ‑ vor einigen Jahren war hier noch “Feindesland” und jetzt sind wir von Verbündeten “umzingelt” und wollen Deutschland am Hindukusch verteidigen. Obwohl, den hatte ich mir eigentlich etwas anders vorgestellt, als diese märkische Landschaft.
 
Nach ca. 5 km wird Klietz erreicht. Wer einkehren möchte oder noch etwas an Verpflegung oder an Getränken braucht, sollte dies unbedingt hier tun. Bis vor Genthin besteht keine weitere Möglichkeit zu Einkehr oder Einkauf.

 

Zur Kattegruft nach Wust

  

Dem Altmarkrundkurs bis zu Ortsmitte folgen und an der Kirche vor den Pionierkasernen auf der Straße nach links Richtung Wuster Damm abbiegen. Am Ortsausgang schwenkt der asphaltierte Radweg nach rechts und verläuft parallel in einigen Metern Abstand zur Straße in südlicher Richtung. Links, jenseits der Straße der bewaldete Truppenübungsplatz, rechts hinter Büschen und Hecken Felder und Wiesen, die sich bis zur Elbe erstrecken, nur unterbrochen von kleineren Waldstücken. Auch hier ist wieder das trompeten der Kraniche zu vernehmen und mit ein wenig Glück sind sie auch zu beobachten.
 
In rascher Fahrt wird die kleine Ansiedlung Hohengörener Damm erreicht und auf gepflasterter Straße durchquert, um nur ca. 1,5 km später die Siedlung Schönhauser Damm zu erreichen. Schönhausen an der Elbe ‑ wem fällt bei diesem Wort nicht der Reichskanzler Otto v. Bismark ein. Wer interessiert ist, fährt ungefähr 5 km in südwestlicher Richtung zur Elbe und erreicht Schönhausen. Allerdings hat der "Kulturstaat" DDR vom Bismarkschloss nicht viel übrig gelassen. Nur noch die Gutskirche und ein Schlossflügel sind erhalten. Alles andere wurde auf Geheiß von Walter Ulbricht gesprengt. Überhaupt die Schlösser, einige werden wieder genutzt ‑ zum Teil als Hotel ‑ andere dämmern immer noch dem Verfall entgegen. Ehrlicherweise muß man sagen, das die Treuhand und die Nachwendepolitik auch eine gewisse Mitschuld daran tragen. Ein Theodor Fontane hätte heute Schwierigkeiten seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg noch einmal zu machen.
 
Wir fahren weiter und überqueren beim Bahnhof Schönhauser Damm die Eisenbahnstrecke Stendal ‑ Berlin. Vielleicht erinnern sich noch einige daran, das bei dem Ausbau der Schnellfahrstrecke, hier in diesem Bereich, besondere Maßnahmen zum Schutze der Großtrappen getroffen werden mußten. Das Havelländische Luch, das Fiener Bruch und das sich daran anschließende Baruther Urstromtal mit den Belziger Wiesen sind nicht weit von hier entfernt und beherbergen das größte mitteleuropäische Vorkommen der Großtrappe. Mein Mitreisender und ich hatten Gelegenheit nicht weit von hier eine kleine Gruppe dieser größten flugfähigen Vögel der Welt zu beobachten. Ich werde den genauen Standort nicht nennen, hier nur ein dezenter Hinweis ‑ halten sie von nun an die Augen offen.
 
Nun nur noch bis Wusterdamm und kurz vor der Straßenkreuzung der Ausschilderung nach rechts und wieder nach links folgen, die B188 überqueren und dem Weg bis zur Wuster Schäferei folgen. Durch die kleine Ansiedlung hindurch und auf einer schmalen schattigen Allee, bestehend aus verschiedenen Baumarten, in südwestlicher Richtung nach Wust.
 

 Im Kattewinkel

 

In Wust dann die alte Kirche mit dem Grab des Hans Hermann von Katte. Küstrin den 6. November 1730 ‑ der Jugendfreund des preußischen Kronprinzen Friedrich, den man später den Großen nennen sollte, wird auf dem Marktplatz auf Befehl des preußischen Königs wegen Hochverrats hingerichtet und der Kronprinz mußte bei der Enthauptung zusehen. Weil er in die Fluchtpläne des Kronprinzen eingeweiht war, wurde der Leutnant Katte wegen Hochverrats zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil wurde dann auf Befehl des Königs in zum "Tode durch enthaupten" umgewandelt.
 
Lassen wir nun Theodor Fontane zu Wort kommen:...Und sie setzten alles nieder, hoben den Sarg einen Augenblick und zogen das Brett fort. Und nun schlossen sich die Torflügel wieder, und über den Kirchhof hin, verschwand das Fuhrwerk im Dunkel... So wurde Hans Hermann von Katte beigesetzt. Ohne Sang und Klang. Seine Familie hatte seinen Leichnam freigebeten und die Gnade des Königs hatte es gewährt" (Wanderungen durch die Mark Brandenburg Bd. III Havelland).
 
Die Kirche sollte dem Verfall preisgegeben werden und wurde 1978 wahrlich im letzten Augenblick von drei jungen Männern, die sich nicht mit dem Verlust dieses historischen Gebäudes abfinden wollten, gerettet. Welche Probleme die 18‑ 19 jährigen in der damaligen DDR dabei hatten, kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Wer die Kirche und die Gruft besichtigen möchte, ruft eine der im Informationskasten befindlichen Nummern an und wartet, bis jemand erscheint. Das restaurierte Schlossensemble wird heute in der Erwachsenenbildung und als Sommerschule genutzt. Und so ist dieses Herrenhaus wieder einer sinnvollen Nutzung zugeführt und bildet einen kulturellen Mittelpunkt in diesem Elbe‑Havelwinkel, den man wegen der vielen Besitzungen der Familie v. Katte auch den Kattewinkel nennt. Unmittelbar östlich der Kirche, befindet sich auf dem von Linden gesäumten Dorfanger ein Mast mit einem Storchennest. Eine Tafel informiert uns darüber, wieviel Junge in dem Horst sind und wie die Brutergebnisse der letzten Jahre waren.   
 
Wir radeln weiter durch diese typisch märkische Landschaft, mit ihren Roggenfeldern, den Wiesen und Wäldern, in Richtung Melkow und fahren über Briest nach Groß Wulkow. Auch hier und im nicht unmittelbar am Wege liegenden Sydow befinden sich sehenswerte Dorfkirchen. Darunter in Gr. Wulkow die älteste in Backstein gebaute Dorfkirche Deutschlands und die Kirche in Melkow, die seit 800 Jahren ‑ auch im Inneren ‑ unverändert geblieben ist.
 
 

 Durch die Zollchower Heide nach Genthin

 

Ab Groß Wulkow aufpassen, die Beschilderung des Altmarkrundkurses und seine Oberfläche werden von nun an und mit Verlaub gesagt, wirklich “saumäßig”. Das beginnt in Gr. Wulkow schon damit, das Wegweiser nicht nur auf der falschen, also der linken Seite stehen, nein ‑ sie sind auch noch versteckt angebracht. Deshalb aufgepasst: Am Dorfeingang vor der Kirche zweimal links und aus dem Ort hinaus und in einem Rechtsbogen in den Wald hinein. Was nun kommt, spottet jeder Beschreibung; zunächst noch ein Plattenweg der übelsten Art, der dann später in knöcheltiefen Sand übergeht. Mühselig am Rand über Kiefernwurzel holpernd ‑ die Reste einer wassergebundenen Fahrbahndecke sind mehr zu erahnen, als zu sehen ‑ geht es immer gen Osten, an zahlreichen abgehenden Wegen vorbei, ohne das irgendwo eine Ausschilderung zu erkennen ist. Irgendwann, wenn man schon fast jede Hoffnung aufgegeben hat, dann rechts eine Wegsäule die rechts nach Altenklitsche weist. Weiterhin auf sandigem Weg ca. 2 km dahin holpernd, treffen wir auf einem Querweg der, oh Wunder, als Altmarkrundkurs gekennzeichnet ist.

Auf dem Querweg nach links und durch Altenklitsche hindurch, auf der Straße nach Zabakuck, kurz vor dem Touristenzentrum nach rechts in den Wald und links um das Touristenzentrum und den See herum. Wer hier schon die Tour beenden möchte, hat auf diesem gepflegten Campingplatz ‑ mit seinem besonders freundlichen und hilfsbereitem Servicepersonal ‑ dazu die Möglichkeit. Ansonsten den Weg weiter nach Zabakuck hinein, an der Kirche nach rechts und aus dem Dorf hinaus. Etwa 100 m nach dem Bach links auf den Waldrand und der Siedlung Annenhof zu. Durch die Ansiedlung durch, über Felder, Wiesen und durch ein kleines Waldstück nach Brettin.
 
In Brettin aufpassen: am Ortsende zweimal nach links und gleich wieder rechts nach Rosdorf. Am Ortsbeginn von Rosdorf zweimal rechts und auf der Straße Richtung B1. Bei einem kleinem Waldstück dann dem Rundkurs wieder nach rechts folgen und durch dem Wald nach Genthin. Hier ein kurzer Schlenker nach links und auf der B1 nach Genthin hinein. Über den Havelkanal, über die Bahn und an der großen Kreuzung rechts, an der nächsten Kreuzung links ‑ immer auf der B1 ‑ und gleich wieder rechts in die Martha Brautzsch‑Straße einbiegen. Hier ist das Clubgelände des S.V. Chemie mit einer sehr gut geführten Vereinsgaststätte und der Yachthafen. Hier besteht auch für Wasser‑ und Radwanderer eine Übernachtungsmöglichkeit im Zelt oder in einem Zimmer.

 

 

Nützliche Hinweise und Informationen


Es bleibt natürlich jedem Radwanderer selbst überlassen, an welchen Stellen er den Altmarkrundkurs beginnt oder beendet. Die Länge der Etappen ergibt sich aus dem Abstand der Campingplätze. Eine andere individuelle Planung ist jederzeit möglich.
 
Die Qualität der Wegeführung und ihre Oberflächenbeschaffenheit, so wie die Ausschilderung reicht von sehr gut über mäßig bis zu ‑ mit Verlaub gesagt ‑ "saumäßig". Feldsteinpflaster, knöcheltiefe Sand‑ und Schlammwege und rumpelige Betonplatten müssen einkalkuliert werden. die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen machen dieses doch jederzeit wieder wett.
 
Schlechte Wegeoberflächen und mangelhafte Beschilderung sind, wie wir auch später noch sehen, im Altkreis Genthin nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Wenn Intelligenz die Fähigkeit ist Zusammenhänge zu erkennen, dann scheint bei den hierfür Verantwortlichen doch ein erheblicher Mangel daran zu bestehen. Wer das Chaos hier vermeiden möchte, fährt ab Melkow die Alternativroute nach Jerichow und läßt das Gebiet buchstäblich links liegen.

 
Anreise:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Bahnstationen Glöwen (Hamburg ‑ Berlin) Schönhausen (Stendal ‑ Berlin) Genthin (Magdeburg ‑ Berlin); Zur Verbindungssuche.
 
Fahrräder werden in Sachsen‑Anhalt in allen Zügen des Nah‑ und Regionalverkehrs kostenlos befördert.
 
Mit dem Auto
Eine Anreise mit dem Auto ist zu allen Orten möglich. Ich empfehle die Anreise per Bahn.
 

Kartenmaterial
 

Radwanderkarte 1:75000
Altmark
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 3‑87073‑233‑2
 

ADFC‑Radtourenkarte
1:150 000 Nr.8
Havelland Magdeburger Börde
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 3‑87073‑068‑4
 


Unterkunft


Bootshaus SV Chemie
  ruh. Lage, Nähe City
Ausleihe von Kanubooten,
Camping m
öglich
Martha‑Brautzsch‑Str.
Tel.: +49 3933 805580
Fax: +49 3933 99003
 

Campingplatz
Touristenzentrum Zabakuck
39307 Stadt Jerichow
OT Zabakuck
Tel:0393489390
Fax:03934893921


 

In Genthin stehen zahlreiche
Unterk
ünfte zur verfügung
 

Einkehr / Verpflegung:
Unterwegs bestehen kaum Möglichkeiten zur Einkehr oder zum Einkauf. Letzte und einzige Möglichkeit zum Einkauf ist in Klietz. Darum ausreichend Verpflegung und Getränke mitnehmen.
 
Sicherheitshinweise:
Die Ortsdurchfahrten sind oft gepflastert, auch nach erfolgter Sanierung. Es empfiehlt sich daher, wenn irgend wie möglich, verbotenerweise den Gehweg bei ausreichender Aufmerksamkeit zu benutzen.
 
Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt! Jede urheberrechtsrelevante Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Nachahmungen, und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert und auf den aktuellen Stand gebracht, sowie   auf Stimmigkeit überprüft. Da diese Informationen wie angeboten verfügbar gemacht werden, übernehmen ich keine Haftung für jegliche Art von Verlust, Verletzung oder Unannehmlichkeit, die durch diese Informationen hervorgerufen werden könnten.
 
Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig

"...und das bin ich"

Sitemap

zurück  ⇔  weiter Teil V

letzte Änderung: 01.03.2017
Alle Vergleiche powered by TARIFCHECK24 GmbH Zollstr. 11b 21465 Wentorf bei Hamburg Tel. 040 - 73098