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Altmarkrundkurs Teil III ("Von Osterburg zum Kamernschen See")

Autor: »Uwe Barthauer
Letzte Aktualisierung: 24.11.2009    

   

Altmarkrundkurs Teil III: Von Osterburg zum Kamernschen See

"... steige hoch, du roter Adler ..."   


Radfahren

Fernradwanderweg
Altmarkrundkurs

Dauer   Jahreszeit
Straße Piste/Feldweg
6‑8 Std.  73 km April - Okt  
   30%          70%

Schwierigkeit

Höhendifferenz 

 Frequentierung

Unterkunft

Sonstiges
     leicht      niederig        niederig
Zelt/Privat für Kinder geeignet

»Legende
 
Noch einmal geht es in die Wische mit ihren Altwassern, Wiesen und Kopfweiden, Fischreihern und Rohrdommeln, den Kranichen und immer wieder den Störchen. Vorbei an einem Schlachtfeld, auf dem Johann David Ludwig Graf York von Wartenburg beim Rückzug der preußischen Armee, sein strategisches Talent unter Beweis stellte. Hin zu der kleinsten Hansestadt der Welt und zu der Keimzelle der ostelbischen Christianisierung ‑ Havelberg mit seinem Dom. Und weiter zu einem romantischen Altwassersee der Elbe, wo wir unter hohen Eichen unser Zelt aufschlagen.
 
zum vergrößern auf das Bild klicken
  • Blick auf Havelberg
  • Kirchpolkritz
  • Gefecht bei Altenzaun
  • Kirchenruine Käcklitz
  • Salzkirche Werben
  • Altwasser
  • Kamernscher See

 

Radwanderkarte


Osterburg-Kamernscher-See-map-ads-de.pdf

 

Von Osterburg nach Kirchpolkritz

 

Wir verlassen Osterburg über die Lindenstraße nach Nordosten, biegen rechts in die Werbener Landstraße ein, über die Gleise und gleich wieder rechts in die “Seggewiesen” einschwenken. Auf schmalem zum Teil grasbewachsenen Pfad geht es unter Schatten spendenden und duftenden Lindenbäumen, begleitet vom summen der Bienen, immer entlang der Bahn nach Süden. Eine Ausschilderung fehlt hier und führt Angesichts des schmalen Pfades zu Irritationen, zumal wir uns allmählich von den Schienensträngen entfernen. Am Ende des Pfades dann doch wieder ein Wegweiser, der uns nach rechts in einem Feldweg einweist. Nur noch um eine Industriebrache herum und wir sind wieder an der Bahnstrecke der wir bis Düsedau auf einem zerfurchten Feldweg folgen.

Auf Höhe des ehemaligen Bahnhofs Düsedau nach links in die Straße Richtung Calberwisch einbiegen und aus Düsedau hinaus. Durch eine parkartige Wiesen‑ und Felderlandschaft, durchsetzt mit Gehölzgruppen und durchzogen von Gräben, aus denen das quaken der Frösche tönt, geht es auf verkehrsarmer Straße über die Uchte nach Calberwisch. Gleich am Ortsanfang rechts das Schloss.
 
Durch Calberwisch hindurch und bei der Kirche nach rechts auf den Feldweg einbiegen und auf diesen bis Uchtenhagen und dann die Straße bis Walsleben nehmen. Hier nach links auf die Hauptstraße und am Ortsausgang wieder links auf dem Weg über Rohrbeck nach Iden. In Iden dann auf der Hauptstraße rechts Richtung Werben und am Dorfende dem Altmarkrundkurs wieder nach rechts über die Försterhöfe nach Hindenburg folgen.
 
“Oh Radler, kommst du nach Ostdeutschland ...” ‑ ... so kannst du Wege kennen lernen, die jeder Beschreibung Hohn sprechen. Auf Betonplatten, von Schlitzen durchzogen, schlecht verlegt und auch noch von den Traktoren krumm und schief gefahren, rumpeln wir mühsam und um unser Rad besorgt, 5 km nach Hindenburg. Sollten irgendwelche Schrauben locker gewesen sein, spätestens hier hätten wir das durch Verlust diverser Teile bemerkt. Wer sich das hier ausgedacht hat, hat mit Sicherheit noch nie auf einem Fahrrad gesessen. Also besser der Straße zunächst bis Busch folgen und hier rechts ab die Straße nach Hindenburg nehmen. Auch wenn das einen kleinen Umweg bedeutet. Unsere Gesundheit und das Fahrrad werden es einem danken.
 
In Hindenburg nach links in die Straße nach Hohenberg‑Krusemark einbiegen und hier den Radweg bis Hohenberg nehmen. In Hohenberg aufpassen ‑ das Schild Altmarkrundkurs steht auf der “linken Straßenseite” ‑ die zweite Straße nach links nehmen und am Ortsausgang dann weiter auf dem Feldweg nach Kirchpolkritz ‑ heute als Schwarzholz Kirche in den Karten verzeichnet
 
 

Ein Schlachtfeld und die kleinste Hansestadt der Welt

 
 
In Schwarzholz Kirche über die Straße und um die Kirche herum. Aufgegeben, nur noch notdürftig gedeckt und mit kaputten Fenstern macht dieses Juwel frühromanischer Backsteinbaukunst einen erbarmungswürdigen Anblick. Dennoch lohnt sich ein kurzer Stop um dieses mächtige landschaftsbestimmende Bauwerk in Augenschein zu nehmen. Schon beeindruckend was unsere Vorfahren so aus “Schlamm” bauen konnten.
 
Hinter der Kirche geht es dann auf befestigtem Weg entlang eines Grabens (der einmal in der preußischen Geschichte eine Rolle spielte) in östlicher Richtung bis zur Straße Altenzaun ‑ Rosenhof. An der Wegeinmündung gegenüber steht ein Gedenkstein, der an das Gefecht bei Altenzaun erinnert. Am 26. Oktober 1806 führte Blücher die Reste der geschlagenen preußischen Armee auf ihrem Rückzug von Jena und Auerstädt hier bei Sandau über die Elbe.
 
Johann David Ludwig Graf York von Wartenburg deckte mit seinen Jägerkompanien erfolgreich den Übergang, in dem er seine Jäger in Schilf und Buschwerk von Graben und Wasserlöchern und hinter Bäumen in Deckung brachte und die Franzosen, die über das freie Feld kommen mußten, nicht nur erfolgreich zurückschlug sondern auch noch zu einem Gegenangriff überging.
 
Vielen Lesern dürfte der Name York von Wartenburg im Zusammenhang mit Tauroggen ein Begriff sein, wo er am 30.12. 1812 ohne die Zustimmung des preußischen Königs, mit den russischen Generälen v. Diebitsch und v. Clausewitz in der Poscheruner Mühle die Konvention von Tauroggen aushandelte.

Genug der geschichtlichen Exkursion, es ist zwar interessant wenn man auf die Spuren historischer Ereignisse trifft, das Thema aber hier heißt radwandern und so fahren wir auf dem Radweg nach Rosenhof weiter. Von Rosenhof aus auf nun schmaler Straße über Käcklitz nach Büttnershof. Von Käcklitz einem ehemaligem Gutsdorf steht nur noch die Kirchenruine. Der Turm ist zu einem Aussichtsturm ausgebaut, der weite Ausblicke über die Elbeniederung ermöglicht. Eine Tafel informiert über das Schicksal des Ortes und gleich daneben eine mächtige alte Eiche.

In Büttners Hof besteht Gelegenheit zur Einkehr. Wir schwenken kurz nach rechts auf die zur Sandauer Fähre führende Straße ein, um gleich danach der Ausschilderung nach links Richtung Berge zu folgen. Wir radeln entlang einer Auenlandschaft von Altwassern und schilfigen Sümpfen aus denen der Ruf der Rohrdommel ertönt. Aus von Weidenbüschen bestandenen Wiesen erklingt gelegentlich das trompeten der Kraniche. Bei Berge schwenken wir dann auf dem Deich ein, den wir über Neuberge bis zur Straße Werben ‑ Räbel folgen.
 
Die Ausschilderung zeigt zwar nach rechts, wer dieser aber folgt verzichtet auf die sehenswerte kleine Stadt Werben. Mit nicht einmal 900 Einwohnern ist sie nicht nur die kleinste Stadt Sachsen‑Anhalts, sondern auch die kleinste Hansestadt der Welt. Überragt wird die kleine Stadt von der mächtigen Johanniskirche. Weitere Sehenswürdigkeiten sind: Die Reste der alten Stadtbefestigung mit dem trutzigen Elbetor und dem Hungerturm, sowie die Salzkirche.
 
 

Nach Havelberg und durch die Havelpolder zum Kamernschen See

 

Werben verlassen wir auf dem selben Weg, dem wir hergekommen sind und haben nun die Auswahl zwischem holperigem Pflaster oder dem daneben befindlichen Sommerweg, auf dem das fahren bei dem weichen Untergrund auch keine Freude bereitet. So fahren wir durch Felder und Wiesen nach Räbel, hier über dem Deich und hinunter zur Fähre. Auf den Wiesen sind Störche zu sehen, deren Anzahl vermuten läßt; hier gibt es mehr Störche als Sperlinge. Alleine auf einer Wiese zählte ich “zwölf Exemplare” dieses Schreitvogels. Irgend ein Einfluß auf die Geburtenrate ist allerdings nicht zu erkennen, sonst müßte hier Überbevölkerung herrschen.
 
Die Fähre ist eine von den wenigen noch erhaltenen Gierseilfähren, die ausschließlich ‑ an einem Seil hängend ‑ von der Strömung angetrieben werden, in dem sie quer zur Strömung gestellt, von dieser wie Segelboot vom Wind über den Strom gedrückt wird. Der Fährpreis ist günstig, die Sonne scheint und fahren muß man selber auch nicht und so wird die Fahrt über den in der Sonne blinkenden Fluss, der von grünen baumbestandenen Wiesen gesäumt ist, zu einem Genuß.
 
Am anderen Ufer angekommen, geht es ‑ wie sollte es auch anders sein ‑ auf Kopfsteinpflaster entlang von Altwassern in ein Waldstück und kurz darauf, links auf wassergebundem Radweg nach Havelberg.  An der B 107 angekommen, führt der Rundkurs geradeaus über die Bundesstraße auf der Straße nach Jederitz weiter. Warum läßt der Altmarkrundkurs eigentlich alle Städte “links” liegen? Sei es drum, Havelberg ist sehenswert, darum über die Brücke in die Altstadt von Havelberg hinein.
 
Eigentlich bestand das historische Havelberg aus zwei Städte, der auf einer Insel liegenden bürgerlichen Hansestadt und der Bischofsstadt. Deshalb auch noch über die zweite Brücke, den Berg hinauf und rechts zum Dom und dem Prignitzmuseum abbiegen. Der romanische Dom läßt im Vergleich zu den westdeutschen Domen doch die Armut der Gegend erkennen, es fehlt ihm an Pracht und Größe. Das Bistum Havelberg ‑ ein Magdeburger Suffraganbistum ‑ ist neben Brandenburg das älteste Bistum östlich der Elbe und somit Keimzelle der slawischen Christianisierung. Was ja auch 983 zu dem großen Slawenaufstand führte und Havelberg für fast 200 Jahre nur noch zum Titularbistum machte.

Wer in Havelberg übernachtet, hat Gelegenheit von der kleinen zum Campingplatz führenden Fußgängerbrücke aus, Biber während der Abenddämmerung auf einer kleinen Insel zu beobachten. Da wir aber noch weiter wollen, zurück zur Havelbrücke, über die selbe und gleich links nach Jeveritz abbiegen. An Havelberg vorbei geht es auf der Straße in östlicher Richtung durch eine weite Polderlandschaft. Während des großen Elbehochwassers 2002 war das hier das Flutungsgebiet, das die Städte unterhalb vor der ganz großen Katastrophe schützte.

Zwei Kilometer hinter Jeveritz auf dem Deich nach rechts abbiegen und auf selbigen durch die einsame Polderlandschaft nach Neukamern und weiter durch einen Kiefernwald nach Kamern. Am Radweg ist keine Beschilderung die zum Campingplatz weist, deshalb bis zur Kirche und nun nach rechts zum Kamernschen See, einem Altwasseram der Elbe. Hier befindet sich auch der Campingplatz. Allerdings ist die Rezeption nur vormittags besetzt. Darum eine der angegebenen Telefonnummern anrufen und warten bis jemand von den freundlichen Damen erscheint, die Formalitäten erledigt und wir unser Zelt an diesem romantischen See unter Eichen aufschlagen können. In unmittelbarer Nähe gibt es ein Freibad und Gelegenheit in einer Gaststätte Hunger und Durst zu stillen.
 
 

Nützliche Hinweise und Informationen


Die einzelnen Etappen der Tour bilden einen Rundkurs ‑ und so kann an mehreren Stellen ein‑ oder ausgestiegen werden. Die Länge der Etappen ergibt sich aus dem Abstand der Campingplätze. Eine andere, individuelle Planung ist jederzeit möglich.
 
Die Qualität der Wegeführung und ihre Oberflächenbeschaffenheit, so wie die Ausschilderung reicht von sehr gut über mäßig bis zu ‑ mit Verlaub gesagt ‑ "saumäßig". Feldsteinpflaster, knöcheltiefe Sand‑ und Schlammwege und rumpelige Betonplatten müssen einkalkuliert werden. die Schönheit der Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen machen dieses doch jederzeit wieder wett.

 

Anreise:
Mit der Bahn: Die Bahnhöfe Osterburg (Strecke Wittenberge ‑ Stendal) oder Hohenschönhausen (Strecke Stendal ‑ Berlin) bzw. Glöwe (Strecke Hamburg ‑ Berlin)
 
Fahrräder werden in ‑ Sachsen‑Anhalt ‑ in allen Zügen des Regional‑ und Nahverkehrs kostenlos befördert.
Die Anreise mit dem Pkw ist, da es ein Rundkurs ist, zu jedem der Orte möglich. Ob es jedoch auch ratsam ist, steht auf einem andern Blatt. Ich empfehle jedenfalls die Anreise mit der Bahn.
 

Kartenmaterial
 

Radwanderkarte 1:75000
Altmark
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 3‑87073‑233‑2
 

ADFC‑Radtourenkarte
1:150 000 Nr.8
Havelland Magdeburger Börde
Bielefelder Verlagsanstalt
ISBN 3‑87073‑068‑4
 
Fähre Räbel
 


Unterkunft
 

In Werben und Havelberg stehen Quartiere und Campingplätze verschiedener Kategorien zur Verfügung. 
 
In Kamern gibt es einen Campingplatz
 

Einkehr / Verpflegung
 

Die Versorgung zwischen den Städten ist äußerst dürftig. Es gibt kaum Gasthäuser oder Einkaufsmöglichkeiten. Deshalb ausreichend Getränke und Proviant mitnehmen. In den Städten jedoch gibt es eine ausreichende Auswahl an Gaststätten. Allerdings kann die Zeit zwischen 14:00h und 17:00h problematisch werden.

Sicherheitshinweise:
Die Ortsdurchfahrten sind oft gepflastert, auch nach erfolgter Sanierung. Es empfiehlt sich daher, wenn irgend wie möglich, verbotenerweise den Gehweg bei ausreichender Aufmerksamkeit zu benutzen.
 
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Für Hinweise und Anregungen bin ich jederzeit dankbar.
© Uwe Barthauer Braunschweig

"...und das bin ich"

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letzte Änderung: 28.02.2017
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